12'500 zu 1. So oft muss ein Durchschnittsgolfer auf ein Par 3 abschlagen, bis der Ball einmal direkt im Loch landet. Die Zahl stammt vom National Hole-in-One Registry und wird seit Jahren unverändert zitiert. Nur sagt sie nicht das, was die meisten daraus lesen.
Die Zahlen, die man kennen sollte
Das National Hole-in-One Registry, zitiert von der PGA of America, nennt folgende Werte:
- Durchschnittsgolfer: 12'500 zu 1
- Spieler mit tiefem Handicap: 5'000 zu 1
- Tour-Profi: 3'000 zu 1
- Zwei Spieler aus demselben Flight am selben Loch: 17 Millionen zu 1
- Ein Spieler mit zwei Assen in derselben Runde: 67 Millionen zu 1
Wichtig dabei: Diese Werte gelten pro Abschlag auf ein Par 3. Nicht pro Runde. Genau da kippen die meisten Kopfrechnungen.
Warum du keine 12'500 Runden brauchst
Auf einem Par-72-Platz spielst du üblicherweise vier Par-3-Löcher. Also vier Versuche pro Runde. 12'500 geteilt durch vier ergibt rund 3'100 Runden.
Die PGA rechnet es über einen ganz anderen Weg: In den USA werden pro Jahr rund 450 Millionen Runden gespielt, jeder Platz meldet 10 bis 15 Asse. Daraus ergibt sich ein Ass pro 3'500 Runden. Zwei unabhängige Rechenwege, fast dasselbe Resultat. Das macht die Zahl glaubwürdig.
Übersetzt in ein Golferleben: Wer 20 Runden pro Saison spielt, wartet statistisch über 100 Jahre. Passend dazu die zweite Zahl aus dem Registry: Nur 1 bis 2 Prozent aller Golfer machen pro Jahr ein Ass, und im Schnitt spielen sie 24 Jahre, bevor das erste kommt.
Vier Chancen pro Runde, ausser du wählst den Platz anders
Hier wird es für die Schweiz konkret. In unserer Datenbank stehen 74 volle 18-Loch-Layouts. 70 davon sind Par 72. Zwei sind Par 71, einer Par 70, einer Par 65. Heisst: Auf praktisch jedem Schweizer 18-Loch-Platz hast du die üblichen vier Par-3-Löcher und damit vier Versuche pro Runde.
Wer mehr will, muss auf den Kurzplatz. Verbier betreibt mit Les Moulins einen 18-Loch-Pitch-and-Putt mit Par 54. Jedes Loch ein Par 3, 18 Versuche pro Runde. Das ist die vierfache Anzahl Chancen eines Championship-Platzes, für einen Bruchteil des Greenfees.
Ähnlich funktioniert der 9-Loch-Pitch-and-Putt am Thunersee, der ab CHF 25 startet. Insgesamt führen wir sechs reine Pitch-and-Putt-Anlagen und 13 Academy-Kurzplätze. Welche das sind und für wen sie sich lohnen, steht in Kurzplatz und Pitch-and-Putt.
Eine ehrliche Einschränkung dazu: Die 12'500 zu 1 beziehen sich auf normale Par-3-Löcher. Auf einem Kurzplatzloch von 40 Metern ist die Chance zweifellos höher, aber belastbare Zahlen dafür kennen wir nicht. Wer eine Prozentzahl dazu nennt, hat sie erfunden.
Wer die Asse tatsächlich macht
Das ist die tröstlichste Statistik des ganzen Themas. Das durchschnittliche Handicap eines Spielers, der ein Ass schlägt, liegt bei 14. Kein Scratch-Golfer, kein Talent, ein solider Freizeitspieler.
Die Altersgruppe 50 bis 59 macht 25 Prozent aller Asse pro Jahr, die 40- bis 49-Jährigen weitere 24 Prozent. 16 Prozent der Asse gehen auf Frauen, deren Durchschnittsalter bei 55 liegt. Ein Ass ist also kein Beweis für Klasse. Es ist ein gut getroffenes Eisen plus sehr viel Glück, und Glück verteilt sich unabhängig vom Handicap.
Die Grenzfälle: 473 Meter mit einem Schlag
Das längste dokumentierte Hole-in-One gelang Mike Crean 2002 im Green Valley Ranch Golf Club in Denver: 517 Yards, also rund 473 Meter, an einem Par 5. Denver liegt auf gut 1'600 Metern über Meer, die dünne Luft hilft. Trotzdem bleibt es der Rekord.
Ein Ass an einem Par 5 heisst übrigens nicht Hole-in-One, sondern Condor. Bis heute sind fünf davon dokumentiert, der letzte 2020 von Kevin Pon an einem 667 Yards langen Par 6. Wie diese Namen zustande kommen, erklären wir in Albatros und Condor und in Birdie, Eagle, Bogey.
Ein Ass in Crans, ein Auto hinter dem Abschlag
Das bekannteste Schweizer Beispiel fiel am 6. September 2014 an den Omega European Masters in Crans-sur-Sierre. Der Engländer Graeme Storm traf am 11. Loch, 217 Yards, mit einem 6er-Eisen ins Loch. Hinter dem Abschlag parkte der Preis für ein Ass: ein BMW i8.
Storm ging danach mit einem Schlag Vorsprung in die Schlussrunde und verlor am Sonntag im Stechen gegen David Lipsky. Das Auto blieb ihm. Er erzählte Sky Sports, er habe zu diesem Zeitpunkt gar kein eigenes Auto gehabt, weil die Saison so schlecht lief.
Und wenn es passiert?
Dann wird es teuer. Nach altem Brauch zahlt der Spieler mit dem Ass im Clubhaus eine Runde für alle. Das ist keine Regel, sondern Tradition, und je nach Uhrzeit und Anzahl Leute an der Bar kostet sie mehr als das Greenfee. Manche Golfversicherungen deckten das früher sogar ab.
Formell brauchst du keine Zeugen, damit die 1 auf der Scorekarte gilt. Praktisch ist es angenehmer, wenn drei Leute daneben standen. Ich habe selbst noch keins gemacht. Nach dieser Rechnung habe ich auch noch gut hundert Jahre Zeit.
Kurz zusammengefasst
- 12'500 zu 1 pro Abschlag auf ein Par 3 für den Durchschnittsgolfer, 5'000 zu 1 mit tiefem Handicap, 3'000 zu 1 für Tour-Profis.
- Statistisch fällt ein Ass pro 3'500 Runden. Bei 20 Runden im Jahr sind das über 100 Jahre Wartezeit.
- 70 von 74 Schweizer 18-Loch-Layouts in unserer Datenbank sind Par 72. Das ergibt die üblichen vier Par-3-Versuche pro Runde.
- Mehr Chancen gibt es auf Kurzplätzen. Der 18-Loch-Pitch-and-Putt in Verbier ist Par 54, also 18 Par 3 in einer Runde.
- Das durchschnittliche Handicap eines Ass-Spielers liegt bei 14. Es braucht Glück, nicht Klasse.
Die Wahrscheinlichkeiten in diesem Artikel stammen vom National Hole-in-One Registry, zitiert von der PGA of America. Die Angaben zu Crans-sur-Sierre stammen von Sky Sports. Unsere Platzdaten sind Stand August 2026, verbindlich ist immer der Club.