Ende November wird es still auf den Schweizer Plätzen. Die Bergplätze schliessen, im Flachland wird auf Wintergrüns gespielt, und der Schwung, an dem du im September noch gearbeitet hast, ist im April nicht mehr da. Genau in diese Lücke stossen Indoor-Anlagen mit Simulatoren. Die interessante Frage ist dabei nicht, ob das Spass macht. Die interessante Frage ist, wie ernst du die Zahlen nehmen darfst, die dir der Bildschirm anzeigt.
Sechs Indoor-Anlagen in unserer Datenbank
In unserer Datenbank stehen 118 Anlagen. Sechs davon sind reine Indoor-Betriebe mit Simulatoren:
- Earlybirdie Baden im Aargau
- Earlybirdie Aarau, ebenfalls Aargau
- Earlybirdie Chur in Graubünden
- L'Indoor Golf in Carouge bei Genf
- Golf-Fit in Puidoux oberhalb des Genfersees
- Indoor Golf Performance in Payerne
Zwei liegen im Aargau, zwei in der Waadt, je eine in Genf und Graubünden. Zwischen Zürich, Ostschweiz und Tessin haben wir bisher keine reine Indoor-Anlage erfasst. Das heisst nicht, dass es dort keine gibt, sondern dass unsere Liste dort noch Lücken hat. Wintertraining läuft in diesen Regionen ohnehin oft über die Ranges, etwa Albis-Golf in Wettswil oder den Golf Park Thalwil.
Ein Sonderfall ist Payerne. Die Indoor-Anlage sitzt am selben Standort wie der Golfplatz Payerne. Im Sommer draussen, im Winter drinnen, ohne den Anbieter zu wechseln.
Am deutlichsten ist die Rechnung in Graubünden. Wir führen dort zwölf Plätze, viele davon auf grosser Höhe und entsprechend nur wenige Monate offen. Welcher Platz wann spielbar ist, steht in Die Schweizer Golfsaison.
Was ein Simulator wirklich misst
Ein Simulator sieht deinen Ballflug nicht. Er erfasst den Ball auf den ersten Zentimetern nach dem Treffmoment und rechnet den Rest. Was auf der Leinwand fliegt, ist eine Berechnung, keine Beobachtung.
Dafür gibt es zwei Bauarten. Radargeräte verfolgen den Ball über den Doppler-Effekt. Kamerasysteme fotografieren Ball und Schlägerkopf im Moment des Treffens mit sehr kurzen Belichtungszeiten. Beide liefern am Ende dieselben Kennzahlen: Schlägerkopfgeschwindigkeit, Ballgeschwindigkeit, Abflugwinkel, Spin, Carry.
Das ist keine Kritik am Verfahren. Auch die Zahlen, die du im Fernsehen von der Tour siehst, entstehen so. Es lohnt sich nur zu wissen, wo eine Messung aufhört und eine Rechnung anfängt.
Diese Zahlen sind belastbar
2024 hat eine Forschungsgruppe um Alex Brennan im Journal of Strength and Conditioning Research 29 junge Golferinnen und Golfer in einem Indoor-Labor vermessen. Jede Person schlug zehn Bälle mit dem Driver und zehn mit dem Eisen 6. Zwei Geräte massen gleichzeitig mit: ein FlightScope Mevo+ und ein TrackMan 4.
Vier Werte hielten der Prüfung stand: Schlägerkopfgeschwindigkeit, Ballgeschwindigkeit, Carry-Distanz und Smash Factor. Bei den beiden Geschwindigkeiten lag die Übereinstimmung der Geräte bei einem Korrelationswert von 0.92 und höher, also nahe am Maximum von 1.0.
Praktisch heisst das: Was dir der Simulator zu Tempo und Ballgeschwindigkeit sagt, kannst du glauben. Und du kannst es über den ganzen Winter verfolgen, ohne dir Fortschritte einzubilden.
Beim Spin wird es dünn
Dieselbe Studie zeigt die Kehrseite. Beim Spin gingen die beiden Geräte deutlich auseinander: eine mittlere Abweichung von bis zu 1'238 Umdrehungen pro Minute, mit einem 95-Prozent-Intervall von minus 2'628 bis plus 5'103 Umdrehungen.
Das ist keine kleine Unschärfe, das ist eine andere Welt. Die Autoren empfehlen darum ausdrücklich Zurückhaltung bei Spin, Abflugwinkel, Angriffswinkel und Spinachse. Wer sich seinen Driver nach der Spinzahl aus einem Simulator zusammenstellen lässt, baut auf einem wackligen Fundament. Fürs Fitting ist die Range mit einem Pro der ehrlichere Ort.
Auch das Referenzgerät streut
Noch aufschlussreicher ist eine zweite Arbeit aus demselben Jahr, erschienen im Journal of Sports Sciences. Sie prüfte den TrackMan 4 allein. Gute Golfer schlugen an zwei verschiedenen Tagen je zehn Driver in einer Indoor-Akademie, und die Frage war schlicht: Kommt zweimal dasselbe heraus?
Bei der Schlägerkopfgeschwindigkeit war die Wiederholbarkeit praktisch perfekt. Bei der Carry-Distanz war sie ebenfalls gut, aber die Streuung zwischen den Messtagen lag bei 7.80 bis 14.21 Yards. Das sind rund 7 bis 13 Meter.
Diese Zahl solltest du dir merken. Wenn deine Carry-Distanz von einer Woche zur nächsten um fünf Meter steigt, hast du damit nichts bewiesen. Fortschritt ist erst dann Fortschritt, wenn er grösser ist als die Streuung der Messung. Ich habe selbst zwei Winter lang Zahlen notiert und mich über Ausschläge gefreut, die vermutlich nur Rauschen waren.
Was das für deinen Winter heisst
- Verfolge Schlägerkopfgeschwindigkeit, Ballgeschwindigkeit, Carry und Smash Factor. Diese vier sind stabil genug für einen Vergleich über Wochen.
- Nimm Spinwerte als groben Hinweis, nicht als Entscheidungsgrundlage für einen Kauf.
- Schlag genug Bälle. Zehn Schläge sind eine Stichprobe, keine Wahrheit. Genau mit zehn Schlägen haben auch die Studien gearbeitet und dabei viel Streuung gemessen.
- Nutz die Zeit für das, was der Simulator am besten kann: Treffmoment, Rhythmus und Streuung nach links und rechts. Wer im Winter versteht, warum sein Ball abbiegt, spart sich im Frühling ein paar verlorene Bälle. Wir haben das in Slice und Hook aufgeschrieben.
Was drinnen fehlt
Ein Simulator gibt dir jedes Mal dieselbe Lage: eben, sauber, trocken. Auf dem Platz hast du das praktisch nie. Hanglagen, nasses Gras, Wind, ein Ball im halbhohen Rough, ein unangenehmer Stand am Bunkerrand. Nichts davon lässt sich drinnen üben.
Dazu kommt das kurze Spiel. Chippen und Putten entscheiden dein Ergebnis, und beides trainierst du an einem Simulator bestenfalls angedeutet. Wer den ganzen Winter nur Driver schlägt, kommt im Frühling mit mehr Ballgeschwindigkeit und demselben Score zurück.
Und was die Bewertungen sagen
Zum Schluss ein Punkt, bei dem wir zu unseren eigenen Daten streng sein müssen. Die sechs Indoor-Anlagen kommen bei Google auf einen Schnitt von 4.85 Sternen. Die 100 Golfplätze in unserer Datenbank liegen bei 4.51. Sieht nach einem klaren Sieg für Indoor aus.
Ist es aber nicht. Hinter den 4.85 stehen insgesamt 158 Bewertungen, im Schnitt 26 pro Anlage. Hinter den 4.51 stehen 19'583 Bewertungen, im Schnitt 196 pro Platz. Earlybirdie Chur hat 5.0 Sterne aus sechs Bewertungen. Das ist keine Note, das ist ein Zufall mit Nachkommastelle.
Breit genug bewertet ist von den sechs nur L'Indoor Golf in Carouge mit 4.7 Sternen aus 67 Bewertungen. Alles andere liest du besser mit Vorsicht. Wie das bei den Plätzen aussieht, wo die Datenbasis deutlich dicker ist, zeigen unsere Bestenlisten.
Kurz zusammengefasst
- Wir führen sechs reine Indoor-Anlagen in der Schweiz: zwei im Aargau, zwei in der Waadt, je eine in Genf und Graubünden.
- Ein Simulator erfasst den Ball nur kurz nach dem Treffmoment und rechnet den Flug. Belastbar sind Schlägerkopfgeschwindigkeit, Ballgeschwindigkeit, Carry und Smash Factor.
- Beim Spin wichen zwei Geräte in einer Studie von 2024 um bis zu 1'238 Umdrehungen pro Minute voneinander ab. Das ist kein Fundament für einen Schlägerkauf.
- Selbst beim TrackMan 4 streute die Carry-Distanz zwischen zwei Messtagen um 7 bis 13 Meter. Kleine Sprünge sind Rauschen, kein Fortschritt.
- Hanglagen, Wind und das kurze Spiel kannst du drinnen nicht üben. Genau die entscheiden im Frühling dein Ergebnis.
Alle Anlagen mit Filter nach Region und Zugang findest du unter Golfplätze. Öffnungszeiten und Preise der Indoor-Anlagen erfragst du direkt beim Betreiber. Die ändern sich saisonal, und verbindlich ist immer der Anbieter.