Schottland hat laut VisitScotland mehr als 550 Golfplätze. Zum Vergleich: In unserer Datenbank stehen 62 Schweizer Anlagen mit einem 18-Loch-Platz. Ein Land mit weniger Einwohnern als die Schweiz hat also ein Vielfaches an Golf. Das ist der eigentliche Grund, warum sich die Reise lohnt – nicht der eine berühmte Platz, sondern die Dichte.
Trotzdem drehen sich die meisten Planungen um genau diesen einen Platz. Deshalb fangen wir dort an und arbeiten uns von da weg.
Warum sich Links-Golf anders anfühlt
Ein echter Links-Platz liegt auf Dünensand direkt am Meer. Der Boden ist fest, der Ball rollt weit, und der Wind gehört zum Platz wie bei uns die Hanglage. Bunker sind oft klein, tief und mit Grassoden ausgekleidet – da spielst du seitwärts oder rückwärts heraus, nicht Richtung Fahne.
Praktisch heisst das: Der hohe Wedge-Schlag ins Grün, der auf einem weichen Schweizer Parkland-Platz funktioniert, ist in Schottland oft der falsche Schlag. Wer den Ball flach anlaufen lässt, spielt besser. Das ist keine Frage des Handicaps, sondern der Schlagwahl.
St Andrews ist sieben Plätze, nicht einer
Das wird in der Planung am häufigsten übersehen. Der St Andrews Links Trust betreibt sechs 18-Loch-Plätze und den 9-Loch-Platz Balgove. Alle sind öffentlich zugänglich, keiner gehört einem geschlossenen Club.
Die Greenfees der Saison 2025/26 zeigen, wie weit die Spanne auf demselben Gelände auseinandergeht (Hauptsaison, pro Runde):
- Old Course: £340 (Nebensaison £240, Wintersaison £170)
- Castle Course: £180
- New und Jubilee: je £150
- Eden: £75
- Strathtyrum: £55
- Balgove (9 Löcher): £15
£340 gegen £15 auf demselben Stück Küste. Der Old Course ist ein Erlebnis, aber er ist kein Massstab für die Kosten einer Schottlandreise. Zur Einordnung von der anderen Seite: Der höchste Greenfee-Einstiegspreis für eine 18-Loch-Runde in unserer Schweizer Datenbank liegt bei CHF 200 – etwa bei Domaine Impérial am Genfersee und Zürich Zumikon. Der Old Course liegt darüber, egal mit welchem Kurs du rechnest. Ein Eden oder Strathtyrum dagegen kostet weniger als eine durchschnittliche Runde bei uns.
Zwei Details, die Reisen kippen lassen: Der Old Course ist sonntags geschlossen. Und du brauchst ein gültiges Handicap-Zertifikat mit maximal 36, das du dem Starter vorlegst. Ohne das läuft nichts, auch nicht mit bezahlter Startzeit.
Wie du an eine Startzeit auf dem Old Course kommst
Es gibt drei Wege, und alle drei haben einen Haken.
Der erste ist das tägliche Ballot: Der Links Trust verlost einen Teil der Startzeiten jeweils am Vortag. Du meldest dich an, am Nachmittag steht das Ergebnis fest. Kostenlos, aber du weisst am Vorabend, ob du am nächsten Tag spielst. Das ist mit einem festen Reiseplan schlecht vereinbar.
Der zweite ist die reguläre Vorausbuchung über den Links Trust. Die Startzeiten für die Saison gehen weit im Voraus weg.
Der dritte ist ein Paket über Hotel oder Veranstalter, bei dem die Startzeit dabei ist. Das ist der sichere Weg und der teuerste. Wichtig zu wissen: Buchungen, die eine Privatperson direkt beim Trust macht, sind von der Mehrwertsteuer befreit – Buchungen über Veranstalter, Hotels oder Firmen nicht. Der Aufpreis ist also nicht nur Marge.
Mein pragmatischer Rat: Plane die Reise so, dass sie ohne den Old Course funktioniert, und spiel jeden Tag Ballot. Klappt es, ist es ein Geschenk. Klappt es nicht, hast du trotzdem eine gute Woche. Wenn dich vor allem die Geschichte des Ortes interessiert, lies unseren Beitrag zu St Andrews als Heimat des Golfs.
Die Regionen: wo du wie viel Golf pro Tag bekommst
VisitScotland gliedert das Land in Golfregionen, und die Einteilung ist für die Planung brauchbarer als jede Platzliste.
East Lothian, die sogenannte Golf Coast, hat nach Angaben von VisitScotland die höchste Dichte an Championship-Links pro Fläche im ganzen Land – und liegt direkt vor Edinburgh. Namen wie North Berwick, Gullane und The Renaissance Club liegen hier innerhalb weniger Kilometer. Für eine Woche ohne täglichen Standortwechsel ist das die effizienteste Basis.
Fife ist die Region um St Andrews, mit einem dichten Cluster traditioneller Küstenplätze rundherum. Ayrshire an der Westküste hat mehrere Open-Championship-Plätze. Die Highlands liefern die spektakulärste Kulisse bei den weitesten Wegen. Aberdeenshire und Moray Speyside sind die ruhigeren Alternativen mit hoher Qualität und weniger Andrang.
Für eine erste Reise würde ich eine Region wählen statt drei. Schottische Strassen sind schmaler und langsamer, als die Kilometerzahl vermuten lässt.
Anreise ab der Schweiz und die richtige Jahreszeit
SWISS fliegt Zürich–Edinburgh direkt, die Flugzeit liegt bei rund 2 Stunden 10 bis 15 Minuten. Damit ist Schottland verkehrstechnisch näher als die meisten südeuropäischen Golfziele. Vor Ort brauchst du einen Mietwagen; die Plätze liegen selten am Bahnhof.
Die Hauptsaison des Links Trust lief 2025 vom 14. April bis 19. Oktober – das ist ein guter Anhaltspunkt für das ganze Land. Der Vorteil im Juni und Juli ist das lange Licht: VisitScotland wirbt mit den langen Sommerabenden, und die sind kein Marketing. Du bekommst problemlos 36 Löcher in einen Tag.
Der Preis dafür sind volle Startzeitenlisten und Hauptsaisontarife. Wer im Mai oder Ende September fährt, zahlt weniger und teilt den Platz mit weniger Leuten. Praktisch für Schweizer Golfer: Schottland überschneidet sich fast vollständig mit unserer eigenen Saison. Als Verlängerung des Jahres taugt das Land also nicht – dafür schau eher Richtung Süden.
Wer ein Turnier sehen statt spielen will: Die Alfred Dunhill Links Championship läuft vom 1. bis 4. Oktober über den Old Course, Carnoustie und Kingsbarns. 2027 kommt die Open Championship vom 11. bis 18. Juli zurück nach St Andrews, das Genesis Scottish Open vom 7. bis 11. Juli auf den Renaissance Club in East Lothian.
Was du vor der Buchung zu Hause erledigen solltest
Der Handicap-Nachweis ist der Punkt, an dem es für Schweizer Gäste am ehesten klemmt. Der Old Course verlangt maximal 36, andere Championship-Plätze führen in der Hauptsaison eigene Grenzen. Ein aktueller Ausweis von Swiss Golf, ASGI oder der Migros Golf Card erfüllt das in aller Regel – aber er muss aktuell sein und dein Handicap ausweisen. Wenn dir die Zahl auf dem Ausweis nichts sagt, hilft unser Beitrag Handicap verstehen.
Zweitens: Schläger mieten statt schleppen. Die grösseren Anlagen und Resorts vermieten Sets. Bei zwei Umsteigern und Sperrgepäckgebühren rechnet sich das schneller, als man denkt.
Drittens: Regensachen, nicht Sonnenschutz priorisieren. Und viertens ganz nüchtern – prüf den Tarif immer auf der Seite des Clubs oder des Links Trust, bevor du buchst. Greenfees werden jährlich angepasst, und jede Liste im Netz ist irgendwann veraltet. Dieselbe Logik gilt bei uns: Unsere Bestenlisten ziehen die Zahlen live aus der Datenbank, statt sie in einen Text zu giessen.
Kurz zusammengefasst
- Schottland hat nach Angaben von VisitScotland über 550 Golfplätze – die Dichte ist der Grund für die Reise, nicht ein einzelner Platz.
- Der Old Course kostet in der Hauptsaison £340 pro Runde, der 9-Loch-Platz Balgove auf derselben Anlage £15. Sonntags ist der Old Course geschlossen.
- Für den Old Course brauchst du ein Handicap-Zertifikat mit maximal 36. Startzeiten gibt es per Ballot am Vortag, per Vorausbuchung oder im Paket.
- East Lothian vor Edinburgh bietet die höchste Links-Dichte und funktioniert gut als einzige Basis für eine ganze Woche.
- Zürich–Edinburgh dauert direkt rund 2 Stunden 15. Die Saison läuft etwa von Mitte April bis Mitte Oktober und überschneidet sich fast vollständig mit der Schweizer.