Jeder Golfer kennt den Namen. St Andrews. Ein kleiner Ort an der schottischen Ostküste, keine 17'000 Einwohner. Und trotzdem der Ursprung von fast allem, was wir heute auf dem Platz tun. Warum ausgerechnet hier? Die Antwort hat mit Sand, Wind und einem Silberpokal zu tun.
Golf, bevor es Regeln gab
Gespielt wurde in Schottland lange vor der ersten Vereinsgründung. So lange, dass es der Krone missfiel. Am 6. März 1457 verbot König James II. per Parlamentsbeschluss Golf und Fussball. Der Grund war nicht Spielverderberei, sondern Landesverteidigung: Die Männer sollten Bogenschiessen üben statt Bälle schlagen. Mehrere solcher Verbote folgten. Sie blieben erfolglos.
Gespielt wurde weiter, auch in St Andrews, auf dem sandigen Küstenstreifen vor der Stadt. Dieser Streifen ist der Schlüssel. Ein Links ist genau das: welliges Dünenland zwischen Meer und Ackerland, karg, windig, für die Landwirtschaft kaum zu gebrauchen. Perfekt für Golf. Der harte Boden liess den Ball rollen, die Natur formte die Bahnen. Niemand musste einen Platz anlegen. Er war schon da.
1754: 22 Herren und ein Silberpokal
Der offizielle Anfang fällt auf den 14. Mai 1754. An diesem Tag gründeten 22 Adlige und Herren aus der Region Fife die Society of St Andrews Golfers. Ihr Zweck war schlicht: ein jährliches Turnier um einen silbernen Golfschläger. Aus diesem Klub wurde später der wohl berühmteste im ganzen Sport.
Die Ersten waren sie nicht. Die Honourable Company of Edinburgh Golfers hatte zehn Jahre früher, 1744, die ältesten schriftlichen Golfregeln festgehalten. Aber St Andrews sollte den längeren Atem haben.
Wie aus 22 Löchern 18 wurden
Hier passiert das, was den Ort bis heute prägt. Der Old Course hatte ursprünglich 22 Löcher. Am 4. Oktober 1764 entschied die Society, dass einige davon zu kurz seien. Sie legte die ersten vier zu zweien zusammen. Übrig blieben 18 Löcher.
Diese Zahl war reine Praxis, keine heilige Regel. Trotzdem wurde sie zur Norm. Weil St Andrews Vorbild war, spielte bald die ganze Welt 18 Löcher. Jede Runde, die du heute in der Schweiz drehst, folgt einer Entscheidung, die hier vor über 250 Jahren getroffen wurde.
Royal and Ancient: der Name von 1834
1834 verlieh König William IV. dem Klub das Prädikat Royal and Ancient. Aus der Society wurde der Royal and Ancient Golf Club of St Andrews. Der Klub nannte sich fortan selbstbewusst die Heimat des Golfs. Aus dem Kürzel wurde der Begriff, den heute jeder kennt: die R&A.
Lange war die R&A beides zugleich, exklusiver Klub und Regelhüter. 2004 wurde das getrennt. Seither kümmert sich eine eigene Organisation, die R&A, um die Golfregeln und um die Austragung der Open Championship. Der Klub selbst blieb ein privater Herrenklub. Die R&A verantwortet die Regeln fast überall auf der Welt — nur in den USA macht das die USGA.
Der Old Course gehört der Öffentlichkeit
Ein Detail überrascht viele. Der berühmteste Golfplatz der Welt ist kein Privatbesitz. Der Old Course gehört der Öffentlichkeit und wird vom St Andrews Links Trust verwaltet, einer 1974 per Gesetz gegründeten Stiftung. Wer will, kann dort spielen. Man braucht ein Handicap, etwas Glück in der Startzeit-Lotterie und die Bereitschaft, ein stattliches Greenfee zu zahlen. Aber der Platz ist offen. Sonntags ruht er meist — dann gehört er den Spaziergängern.
Die Swilcan Bridge, die kleine Steinbrücke auf der 18, ist heute das meistfotografierte Bauwerk im Golf. Über sie ging jeder grosse Name des Sports.
Was das mit der Schweiz zu tun hat
Als in St Andrews längst um Pokale gespielt wurde, war der Golfsport in der Schweiz noch nicht angekommen. Der erste Schweizer Platz entstand 1891 in St. Moritz. Der älteste, der heute noch bespielt wird, liegt in Samedan im Engadin und stammt von 1893 — fast 140 Jahre nach der Gründung der Society. Welche Plätze zu den ältesten des Landes zählen, zeigt unsere Übersicht der ältesten Golfplätze der Schweiz.
Echte Links wie in St Andrews hat die Schweiz nicht. Uns fehlt die Dünenküste am Meer. Dafür liegen unsere Plätze in den Bergen: Samedan auf über 1700 Metern, Klassiker wie Bad Ragaz im St. Galler Rheintal. Tradition wächst also auch bei uns, nur jünger.
Und die Regeln, die in St Andrews entstanden, gelten auf jeder Schweizer Runde. Wer die Platzreife macht, lernt genau dieses Regelwerk. Wie das abläuft, steht in unserem Ratgeber zur Platzreife in der Schweiz.
Kurz zusammengefasst
- In St Andrews wurde schon Golf gespielt, bevor es Regeln oder Klubs gab — auf dem natürlichen Dünenland vor der Stadt.
- 1457 verbot König James II. das Golfspiel in Schottland, damit die Männer stattdessen das Bogenschiessen übten. Das Verbot scheiterte.
- 1754 gründeten 22 Herren die Society of St Andrews Golfers, aus der später die R&A wurde.
- 1764 machte St Andrews aus 22 Löchern 18 — und setzte damit die weltweite Norm.
- Die R&A regelt bis heute den Golfsport ausserhalb der USA. Der Old Course selbst gehört der Öffentlichkeit.