Golf kam spät in die Schweiz und dann ganz oben an: nicht in einer Stadt, sondern auf 1700 Metern im Engadin. Wer wissen will, wo der Schweizer Golfsport anfing, muss ins Oberengadin. Und er muss zwei Dinge auseinanderhalten, die gern verwechselt werden: den ersten Platz überhaupt und den ältesten, der heute noch existiert.

1891: St. Moritz, der erste — und längst verschwunden

Am 15. August 1891 wurde in St. Moritz der erste Golfplatz der Schweiz offiziell eröffnet. Er hiess St. Moritz Golf Club. Im selben Jahr entstand in Maloja ein zweiter Platz. Beide gibt es heute nicht mehr: Der St. Moritz Golf Club bestand nur bis 1897, Maloja hielt bis 1939 durch.

Das ist ein Muster, das sich durch die frühe Schweizer Golfgeschichte zieht. Viele Plätze der ersten Stunde waren Saisonangebote für Kurgäste, an Hotels gebunden und ebenso schnell wieder verschwunden, wie sie entstanden waren.

1893: Samedan, der älteste noch bespielte Platz

Der älteste Golfplatz der Schweiz, den du heute noch spielen kannst, liegt in Samedan im Oberengadin. Er wurde 1893 eröffnet und gehört zum Engadine Golf Club. Die Eröffnung des ersten 18-Loch-Platzes der Schweiz in Samedan wurde am 14. Juni 1893 in der Zeitung The Alpine Post angekündigt. Die ersten offiziellen Turniere fanden Anfang August 1893 statt.

Der Engadine Golf Club ist heute mit über 1350 Mitgliedern einer der grössten Clubs der Schweiz und betreibt zwei Anlagen im Tal, Samedan und Zuoz-Madulain. Wer die Geschichte an einem Ort erleben will, spielt hier. Weitere Plätze der Region stehen auf unserer Kantonsseite Graubünden.

1902: Der Verband entsteht in Luzern

1902 trafen sich vier Männer in Luzern und gründeten die Swiss Golf Association — zwei Engländer und zwei Schweizer. Zum Vergleich: Der englische Verband The English Golf Union entstand mit über 1000 Clubs erst 1924. Die Schweiz organisierte sich also früh, obwohl sie nur eine Handvoll Plätze hatte.

Der Golf Club Luzern gilt mit dem offiziellen Gründungsjahr 1903 als ältester der Zentralschweiz. Den heutigen Platz Lucerne am Dietschiberg kannst du weiterhin spielen.

Die Zwanzigerjahre: die zweite Welle

Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden zehn Golfclubs, die heute noch zu Swiss Golf gehören. Alle begannen mit neun Löchern oder weniger. Einige blieben klein, andere wuchsen zu 18-Loch-Anlagen. Vier Eckdaten, alle belegt:

  • 1923: In Lugano wird der erste Platz eröffnet. Der heutige Golf Club Lugano in Magliaso ist daraus hervorgegangen.
  • 1924: Der heutige Golf Club Crans-sur-Sierre wird gegründet. Vier Jahre später, 1928, wird die Anlage am aktuellen Standort eröffnet. Später baut der englische Architekt Harry Nicholson zahlreiche Greens um.
  • 1926: Der Golf Club Basel wird gegründet und baut noch im selben Jahr eine 9-Loch-Anlage in St. Louis in Frankreich — der erste Schweizer Club mit einem Platz im Ausland.
  • 1931: In Zürich entsteht ein Club unter dem Namen Zumikon-Waltikon. Im Herbst 1931 findet das erste Wettspiel statt. Aus ihm wurde der heutige G&CC Zürich Zumikon.

Der grosse Boom kam erst in den Neunzigern

Wer denkt, die Schweizer Golflandschaft sei alt gewachsen, liegt daneben. Der eigentliche Bauboom kam spät: Mehr als ein Drittel aller heutigen Anlagen entstand zwischen 1990 und 2000. Allein 1999 nahm der Verband neun Clubs auf einmal auf — ein Rekord.

Das erklärt, warum die Schweiz einerseits einen der ältesten noch bespielten Plätze Kontinentaleuropas hat und andererseits viele Anlagen, die gerade erst ihren dreissigsten Geburtstag feiern. Die ganze Bandbreite findest du in unserer Regionenübersicht.

Alt spielen heisst nicht teuer spielen

Ein schöner Nebeneffekt: Der historische Platz in Samedan ist keiner der teuersten. Und die Bergplätze im Engadin und Umgebung sind in der Nebensaison oft günstiger als im Hochsommer. Wie du bei den Greenfees generell sparst, steht in Greenfee sparen in der Schweiz. Wann welcher Bergplatz überhaupt offen ist, klärt Die Schweizer Golfsaison.

Kurz zusammengefasst

  • Der erste Schweizer Golfplatz war St. Moritz, eröffnet am 15. August 1891. Er bestand nur bis 1897.
  • Der älteste noch bespielte Platz ist Samedan im Engadin, eröffnet 1893. Er gehört zum Engadine Golf Club.
  • Der Verband wurde 1902 in Luzern gegründet, der Golf Club Luzern 1903.
  • Lugano (1923), Crans-sur-Sierre (1924), Basel (1926) und Zürich Zumikon (1931) stammen aus der zweiten Welle.
  • Der grosse Bauboom kam erst in den Neunzigern: über ein Drittel aller Anlagen entstand zwischen 1990 und 2000.

Quellen zur Golfgeschichte: die Chronik von Swiss Golf History. Die Jahreszahlen in diesem Text stammen von dort und aus den Angaben des Engadine Golf Club.