Der Ball liegt drei Meter neben dem Grün, die Fahne steht zwölf Meter dahinter. Ich habe in dieser Lage lange dasselbe gemacht: Sand Wedge raus, hoch drüber, irgendwo hinter der Fahne gelandet. Dabei wäre der viel einfachere Schlag der gewesen, der fast nur rollt.

Chippen und Pitchen sehen von aussen ähnlich aus. Sie lösen aber zwei verschiedene Aufgaben, und die Wahl zwischen ihnen entscheidet ums Grün herum mehr Schläge als jede Schwungkorrektur.

Der Unterschied in einem Satz

Der Chip fliegt kurz und rollt lang. Der Pitch fliegt lang und rollt kurz. Das ist die ganze Definition.

Praktisch heisst das: Beim Chip liegt grob ein Drittel der Strecke in der Luft und zwei Drittel am Boden. Beim Pitch dreht sich das Verhältnis um. Beide Begriffe beschreiben also nicht deine Technik, sondern das, was der Ball tut. Du entscheidest zuerst, wie der Ball zur Fahne kommen soll, und wählst danach den Schläger.

Der Chip: so früh wie möglich auf den Boden

Der Chip ist ein kurzer, flacher Schlag ohne viel Bewegung. Der Ball liegt eher hinten im Stand, das Gewicht bleibt auf dem vorderen Fuss, die Hände sind leicht vor dem Ball. Die Handgelenke machen fast nichts, die Bewegung kommt aus den Schultern. Wer schon ordentlich puttet, hat das Gefühl dafür bereits.

Der Grund, warum der Chip die sichere Wahl ist, hat nichts mit Technik zu tun: Ein rollender Ball ist berechenbarer als ein fliegender. Der Boden nimmt Fehler auf, die Luft nicht. Jeder zusätzliche Meter Flug ist ein zusätzlicher Meter, auf dem etwas schiefgehen kann. Deshalb die Grundregel ums Grün: so wenig Flug wie nötig.

Chippen ist auch keine Frage eines bestimmten Schlägers. Du kannst mit dem Pitching Wedge chippen, mit dem 9er, dem 8er oder dem 7er. Je flacher der Schläger, desto weiter rollt der Ball. Genau darum geht es im nächsten Abschnitt.

Der Pitch: wenn etwas im Weg ist

Beim Pitch liegt der Ball mittig im Stand, das Gewicht ist ausgeglichen, die Handgelenke winkeln im Rückschwung deutlich auf. Der Schwung ist länger, der Ball steigt steiler und kommt steiler herunter. Er bleibt deshalb schneller liegen.

Diesen Schlag brauchst du, wenn zwischen dir und dem Grün etwas liegt, das du nicht überrollen kannst: ein Bunker, hohes Rough, eine Böschung. Oder wenn die Fahne direkt hinter der Grünkante steht und dir schlicht die Rollstrecke fehlt.

Der Pitch ist der anspruchsvollere der beiden Schläge. Die Distanz kommt hier aus der Länge und dem Tempo deines Schwungs, nicht aus dem Rollverhalten des Grüns. Das lässt sich üben, verzeiht aber weniger.

Die Rule of 12: welcher Schläger wie weit rollt

Für die Schlägerwahl beim Chippen gibt es eine alte Faustregel, die Rule of 12. Du ziehst die Schlägernummer von zwölf ab. Das Ergebnis ist das Verhältnis von Flug zu Roll.

  • 8er Eisen: 12 minus 8 ergibt 4. Ein Teil Flug, vier Teile Roll.
  • 9er Eisen: ein Teil Flug, drei Teile Roll.
  • Pitching Wedge: ein Teil Flug, zwei Teile Roll.
  • Sand Wedge: ein Teil Flug, ein Teil Roll.

Ein Beispiel. Der Ball liegt zwei Meter vor der Grünkante, die Fahne zehn Meter weiter. Landen willst du knapp auf dem Grün, also rund zweieinhalb Meter Flug und danach etwa zehn Meter Roll. Das ist ungefähr eins zu vier, also das 8er Eisen.

Und jetzt die Einschränkung: Das ist eine Faustregel, keine Physik. Sie sagt nichts über Gefälle, Grüngeschwindigkeit, Nässe oder deinen eigenen Spin. Auf einem nassen Platz im April rollt derselbe Ball deutlich kürzer als im August. Nimm die Zahlen als Startpunkt und korrigiere sie nach den ersten drei Chips auf dem Platz, auf dem du gerade stehst.

Ein Haken steckt noch in der Regel: Die Lofts sind nicht überall gleich. Pitching Wedges sind über die Jahre steiler geworden, und was bei einer Marke 44 Grad hat, hat bei der nächsten 48. Warum das so ist, steht in Loft und Lie. Für die Rule of 12 heisst das: Vergleiche lieber deine eigenen Schläger untereinander, als dich auf die Nummer zu verlassen.

Wann chippen, wann pitchen

  • Freie Bahn bis zum Grün und die Fahne weit hinten: chippen.
  • Bunker, hohes Rough oder eine Böschung dazwischen: pitchen.
  • Fahne kurz hinter der Grünkante: pitchen, weil dem Chip die Bremsstrecke fehlt.
  • Ball liegt tief im Gras: eher pitchen, der Schläger muss steiler an den Ball.
  • Unentschieden: chippen. Ein misslungener Chip liegt meist noch irgendwo auf dem Grün, ein misslungener Pitch oft dahinter.

Der Fehler, der beide Schläge ruiniert

Es ist derselbe bei Chip und Pitch: der Versuch, den Ball hochzuheben. Die Hände bleiben hinter dem Ball, der Schläger geht im Treffmoment aufwärts, und das Ergebnis ist entweder ein getoppter Ball über das Grün oder ein Divot vor dem Ball. Beide Fehler und ihre Ursache beschreiben wir in Ball toppen und duffen.

Die Höhe macht der Loft des Schlägers, nicht deine Armbewegung. Der Schläger trifft den Ball und geht weiter durch, er schaufelt ihn nicht an.

Nebenbei ist das Schaufeln auch ein Regelthema. Regel 10.1a der Golfregeln verlangt, dass der Ball fair geschlagen wird, mit nur kurzem Kontakt zwischen Schlägerkopf und Ball. Schieben, Schaben und Löffeln sind ausdrücklich nicht erlaubt und kosten die allgemeine Strafe, im Zählspiel also zwei Schläge. Gemeint sind damit klare Fälle, nicht jeder unsaubere Chip. Als Bild für die Bewegung taugt die Regel trotzdem.

Was das kurze Spiel fürs Handicap bedeutet

Der Anbieter Shot Scope wertet Runden von Amateuren aus. Aus weniger als 50 Yards, gut 45 Metern, holt ein Scratch-Spieler demnach 54 Prozent der Bälle up and down, braucht also höchstens zwei Schläge bis zum Loch. Bei Handicap 5 liegt der Wert knapp unter 50 Prozent, bei Handicap 10 bei rund zwei von fünf Versuchen, bei Handicap 25 bei etwa einem von fünf. Auf der PGA Tour sind es rund 70 Prozent.

Diese Zahlen sind Durchschnitte aus Tracking-Daten, keine Laborwerte, und sie hängen davon ab, wer sein Spiel überhaupt aufzeichnet. Die Richtung ist aber eindeutig: Zwischen Handicap 25 und Handicap 10 liegen weniger Meter am Abschlag als Schläge auf den letzten vierzig Metern. Was die Zahl sonst noch über dein Spiel sagt, steht in Golf Handicap verstehen.

Wo du beides in der Schweiz übst

In unserer Datenbank stehen 108 Schweizer Anlagen, 96 davon haben eine Driving Range. Für den Pitch ist das ideal. Fürs Chippen nur halb: Auf einer Matte mit Rangebällen siehst du zwar den Flug, aber nicht das Rollverhalten auf einem echten Grün. Und genau das ist beim Chip die halbe Miete.

Was du dafür brauchst, ist ein Übungsgrün oder ein kurzer Parcours. 20 Anlagen führen bei uns zusätzlich einen Kurzplatz, eine Academy-Bahn oder einen Pitch-and-Putt-Parcours. Drei Beispiele:

  • Thunersee in Thun: 9-Loch Pitch and Putt, bei uns ab CHF 25 erfasst.
  • Golfpark Zürichsee in Wangen: ebenfalls 9 Loch Pitch and Putt, ab CHF 30.
  • Verbier: der Parcours Les Moulins mit 18 kurzen Bahnen, Par 54 - eine ganze Runde, auf der du fast nur chippst und pitchst.

Die Preise stammen aus unserer Datenbank und sind Einstiegstarife; den aktuellen Preis nennt jeder Club auf seiner eigenen Website. Welche Kurzplätze es sonst noch gibt, steht in Kurzplatz und Pitch-and-Putt. Auf vielen dieser Anlagen kommst du auch ohne Platzreife auf den Platz, was sie zur günstigsten Übungsmöglichkeit überhaupt macht.

Mein Tipp fürs Üben: Nimm drei Schläger mit ans Übungsgrün, leg einen Schirm oder eine Jacke als Landepunkt hin und chippe mit jedem Schläger zehn Bälle auf dieselbe Stelle. Du interessierst dich dabei nicht dafür, wie nah der Ball an die Fahne kommt, sondern nur dafür, wie weit er nach dem Aufkommen weiterrollt. Nach zwanzig Minuten kennst du deine eigenen Verhältnisse besser als jede Faustregel.

Kurz zusammengefasst

  • Der Chip fliegt kurz und rollt lang, der Pitch fliegt lang und rollt kurz. Beide Begriffe beschreiben den Ballweg, nicht die Technik.
  • Die Rule of 12 gibt dir den Schläger: Nummer von zwölf abziehen, das Ergebnis ist der Roll-Anteil. Sand Wedge eins zu eins, 8er Eisen eins zu vier.
  • Im Zweifel chippen. Der Boden verzeiht mehr als die Luft, und ein verzogener Chip bleibt meist auf dem Grün.
  • Den Ball nicht hochlöffeln. Die Höhe macht der Loft; Regel 10.1a verlangt ohnehin einen fairen Schlag ohne Schieben und Schaufeln.
  • Aus unter 45 Metern holt ein Scratch-Spieler laut Shot Scope 54 Prozent up and down, ein Handicap 25 etwa 20 Prozent. Dort liegen die Schläge, nicht am Abschlag.

Wenn du eine Anlage mit Übungsgrün oder Kurzplatz in deiner Nähe suchst: Alle Schweizer Plätze findest du bei uns unter Golfplätze, filterbar nach Region, Löchern und Greenfee.