Du spielst ein Loch schlecht. Sehr schlecht. Bei Zählspiel zählst du trotzdem jeden Schlag mit und ärgerst dich noch drei Löcher lang. Bei Stableford passiert das nicht. Dort ist ein verkorkstes Loch einfach null Punkte. Danach geht es frisch weiter.

Was Stableford ist

Stableford ist eine Wertung nach Punkten statt nach Schlägen. Du bekommst pro Loch Punkte, abhängig davon, wie dein Ergebnis zu deinem Soll steht. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt. Meist wird es als Einzel mit Handicap gespielt.

Erfunden hat es Dr. Frank Stableford, ein Chirurg, der im Golfclub Wallasey in England spielte. Laut dem Club kam ihm die Idee im Spätjahr 1931 beim Üben auf dem zweiten Fairway. Ein erster Versuch mit einem Punktesystem in den 1890er-Jahren hatte ihn nicht überzeugt. Das erste Stableford-Turnier fand am 16. Mai 1932 in Wallasey statt. Der Grund laut Club: Bei starkem Wind war das bisherige System schwer zu führen, und viele Spieler zerrissen ihre Karte nach wenigen Löchern. Mit Punkten gibt es dafür keinen Anlass mehr.

So werden die Punkte vergeben

Die Tabelle ist kurz. Sie gilt für dein Nettoergebnis, also nach Abzug der Vorgabeschläge auf dem Loch:

  • Doppelbogey oder schlechter: 0 Punkte
  • Bogey: 1 Punkt
  • Par: 2 Punkte
  • Birdie: 3 Punkte
  • Eagle: 4 Punkte
  • Albatros: 5 Punkte

Mehr als zwei Schläge über deinem Soll bringen also nichts, weniger als null Punkte gibt es nicht. Wie Brutto und Netto zusammenhängen, steht in unserem Artikel Brutto und Netto im Golf. Die Namen der Ergebnisse erklärt Par im Golf.

Ein Loch, drei Ergebnisse

Nehmen wir ein Par 4, auf dem du einen Vorgabeschlag erhältst. Dein Soll ist damit 5 Schläge.

  • Du brauchst 5 Schläge: Netto 4, also Par, also 2 Punkte.
  • Du brauchst 6 Schläge: Netto 5, also Bogey, also 1 Punkt.
  • Du brauchst 7 Schläge: Netto 6, also Doppelbogey, also 0 Punkte.

Und bei 8 Schlägen? Auch 0 Punkte. Der Unterschied zwischen 7 und 12 Schlägen spielt keine Rolle mehr. Genau das macht Stableford so entspannt.

Wie viele Vorgabeschläge du bekommst

Hier kommt das Handicap ins Spiel. Aus deinem Handicap Index und dem Platz wird zuerst das Course Handicap berechnet. Die Formel der USGA lautet: Handicap Index mal Slope Rating geteilt durch 113, plus Course Rating minus Par. Daraus entsteht das Playing Handicap, die Zahl der Schläge, die du für dieses Turnier erhältst.

Ein Beispiel mit erfundenen Zahlen, nur zur Veranschaulichung: Handicap Index 18.0, Slope Rating 125, Course Rating 72.0, Par 72. Rechnung: 18.0 mal 125 geteilt durch 113 ergibt 19.9. Dazu kommt 72.0 minus 72, also null. Gerundet sind das 20 Vorgabeschläge.

Swiss Golf empfiehlt für Turniere mit Handicapwertung 100 Prozent des Course Handicaps. Bei Vierball-Bestball sind es 90 Prozent. Der höchste Handicap Index liegt bei 54.0. Verteilt werden die Schläge nach dem Schwierigkeitsgrad der Löcher auf der Scorekarte. Bei 20 Schlägen erhältst du auf den zwei schwersten Löchern je zwei Schläge und auf allen anderen einen.

Warum 36 Punkte die magische Zahl sind

Wer auf jedem der 18 Löcher Nettopar spielt, sammelt 18 mal 2 Punkte. Das sind 36. 36 Punkte heissen also: Du hast genau so gespielt, wie dein Handicap es vorsieht. Mehr heisst: besser als dein Handicap. Weniger heisst: etwas schlechter.

Rechnerisch passt das zusammen. Dein Soll sind Par plus Vorgabeschläge. Im Beispiel oben wären das 72 plus 20, also 92 Schläge. Wer genau 36 Punkte hat, liegt ungefähr dort. Ungefähr, weil sich Löcher mit 0 Punkten und Löcher mit 3 Punkten ausgleichen können.

Ob 36 Punkte für dein Handicap gut sind, hängt vom Tag ab. Dein Handicap entsteht aus gewerteten Runden. Mehr zur Zahl dahinter steht in Golf Handicap verstehen.

Aufheben statt weiterspielen

Das ist der praktische Vorteil. Die Golfregeln besagen: Wer ein Loch nicht einlocht, bekommt null Punkte. Die Regeln empfehlen, das Loch zu beenden, sobald es nur noch null Punkte bringen kann. Du nimmst den Ball auf und gehst zum nächsten Abschlag. Das spart Nerven und hilft der Gruppe hinter dir.

Auf der Karte darfst du bei null Punkten einen Strich eintragen. Hast du Punkte geholt, schreibst du den echten Score auf.

Stableford oder Zählspiel?

Beim Zählspiel zählt die Summe aller Schläge, jeder Ausrutscher bleibt drin. Stableford verzeiht einzelne Löcher. Deshalb ist es für Einsteiger angenehmer. Wer lieber direkt gegen einen Gegner spielt, findet in Matchplay gegen Zählspiel den Vergleich der Spielformen.

Wo du es ausprobieren kannst

Stableford ist keine Frage des Platzes, sondern der Wertung. Du kannst es auf jeder Runde spielen und auch privat mit Freunden mitrechnen. Ein Beispiel für einen klassischen 18-Loch-Platz mit Par 72 ist laut unserer Datenbank Bad Ragaz. Wer nur eine halbe Runde möchte, findet in Meggen ein 9-Loch-Layout mit Par 36. Auch die Anlage Zürich (G&CC Zürich Zumikon) ist ein 18-Loch-Platz mit Par 72. Ob ein Club Stableford-Turniere ausschreibt, nennt er auf seiner Website.

Kurz zusammengefasst

  • Stableford zählt Punkte statt Schläge: Doppelbogey oder schlechter 0, Bogey 1, Par 2, Birdie 3, Eagle 4, Albatros 5.
  • Gewertet wird netto, also nach Abzug deiner Vorgabeschläge pro Loch.
  • Course Handicap = Handicap Index mal Slope Rating geteilt durch 113, plus Course Rating minus Par.
  • 36 Punkte entsprechen Nettopar auf allen 18 Löchern und damit einer Runde genau nach Handicap.
  • Läuft ein Loch schlecht, hebst du auf. Es gibt null Punkte, nicht weniger.