Auf jeder Scorecard steht neben jedem Loch eine kleine Zahl: 3, 4 oder 5. Das ist das Par. Es sagt dir, wie viele Schläge ein sehr guter Spieler für dieses Loch braucht. Alles, was du im Golf sonst noch an Begriffen hörst - Birdie, Bogey, Handicap - hängt an dieser einen Zahl. Hier steht, wie sie zustande kommt und was sie in der Praxis wert ist.

Was Par konkret heisst

Par ist der Score, den ein Scratch-Spieler - also jemand mit Handicap 0 - bei normalen Bedingungen auf einem Loch erwarten darf. In dieser Zahl sind immer zwei Putts auf dem Grün eingerechnet. Der Rest sind die Schläge bis zum Grün.

Damit wird die Rechnung sehr einfach:

  • Par 3: ein Schlag aufs Grün, zwei Putts. Du spielst vom Abschlag direkt aufs Grün.
  • Par 4: Abschlag, zweiter Schlag aufs Grün, zwei Putts.
  • Par 5: Abschlag, zwei Schläge bis zum Grün, zwei Putts.

Wer einen Schlag darunter bleibt, spielt ein Birdie. Zwei darunter ist ein Eagle, einer darüber ein Bogey. Woher diese Vogelnamen kommen, steht in Birdie, Eagle, Bogey. Ohne Par gäbe es keinen dieser Begriffe - sie beschreiben ja nur den Abstand zu ihm.

Warum es Par heisst

Das Wort kommt nicht aus dem Golf, sondern von der Börse. Dort bezeichnet Par den Nennwert eines Papiers - den Wert, um den herum der Kurs schwankt. Übertragen hat den Begriff der Golfschreiber A. H. Doleman. Vor der Open Championship 1870 in Prestwick fragte er die Spieler David Strath und James Anderson, welcher Score bei perfektem Spiel herauskommen würde. Ihre Antwort: 49 Schläge für die damals zwölf Löcher von Prestwick. Doleman nannte diese Zahl das Par des Platzes.

Interessant ist, dass Bogey älter ist als Par. Bogey kam um 1890 in Grossbritannien auf und meinte ursprünglich dasselbe: den Score, den ein guter Spieler erreichen sollte. Erst im 20. Jahrhundert rutschte Bogey auf seine heutige Bedeutung - ein Schlag über Par.

Ab welcher Länge ein Loch welches Par bekommt

Das Par eines Lochs hängt in erster Linie an seiner Länge. Die USGA nennt in ihren Richtlinien zur Par-Festlegung Spannen für die hinteren Abschläge bei Herren. Umgerechnet in Meter sind das:

  • Par 3: bis rund 238 Meter (260 Yards)
  • Par 4: rund 220 bis 448 Meter (240 bis 490 Yards)
  • Par 5: rund 411 bis 649 Meter (450 bis 710 Yards)
  • Par 6: ab rund 613 Meter (670 Yards)

Dir fällt auf, dass sich die Spannen überlappen. Ein Loch von 430 Metern kann ein langes Par 4 oder ein kurzes Par 5 sein. Genau da beginnt die Arbeit der Rating-Teams. Und ja, ein Par 6 gibt es wirklich - es ist nur sehr selten. In der Schweiz ist mir keines bekannt.

Die Meterzahl allein entscheidet nicht

Massgeblich ist nicht die Zahl auf der Scorecard, sondern die effektive Spiellänge. Ein Loch, das 500 Meter bergab und mit Rückenwind spielt, fühlt sich an wie 440 - und kann deshalb als Par 4 eingestuft werden. Umgekehrt kann ein kurzes Loch steil bergauf ein Par mehr bekommen.

Für Schweizer Plätze ist das kein Randthema. Wer in den Bergen spielt, hat ständig Höhenunterschiede im Spiel. Dazu kommt die dünnere Luft: In der Höhe fliegt der Ball weiter, was ein langes Loch kürzer macht, als die Meter vermuten lassen. Festgelegt wird das Par am Ende vom Club beziehungsweise vom Rating-Team, das den Platz bewertet - nicht von einer starren Tabelle.

Warum fast jeder Schweizer Platz Par 72 hat

Wir haben in unserer Datenbank 64 Schweizer 18-Loch-Layouts mit Par-Angabe. 59 davon stehen auf Par 72. Das sind 92 Prozent - eine Deutlichkeit, die man selten sieht.

Der Grund ist eine Konvention, keine Regel: vier Par 3, vier Par 5 und zehn Par 4 ergeben zusammen 72. Diese Mischung gilt als ausgewogen, weil sie über die Runde jeden Schläger im Bag verlangt. Kein Reglement schreibt sie vor. Der Platz darf jedes Par haben, das zum Gelände passt.

Die fünf Ausnahmen

Fünf 18-Loch-Layouts weichen ab. Bonmont im Kanton Waadt und Appenzell (Gonten) stehen auf Par 71, Lugano auf Par 70. Das ist jeweils ein Par 5 weniger als beim Standard - meist, weil das verfügbare Land kein weiteres langes Loch hergibt.

Deutlicher wird es bei Arosa: Par 65 auf 18 Löchern. Der Platz liegt hoch oben im Bergtal, da bleibt für lange Löcher schlicht kein Raum. Ein Par 65 heisst nicht, dass der Platz einfach ist - es heisst nur, dass er kurz ist. Wer sich für solche Höhenlagen interessiert, findet sie gesammelt unter Golf in Graubünden.

Der Extremfall ist der Pitch-and-Putt-Kurs Les Moulins in Verbier: 18 Löcher, Par 54. Das geht nur auf eine Art auf - achtzehn Mal Par 3. Genau dafür sind solche Anlagen gemacht: kurzes Spiel üben, ohne den Driver auszupacken.

Auf neun Löchern gilt Par 36

Bei den 9-Loch-Layouts ist das Bild ähnlich eindeutig: 36 von 39 erfassten Schweizer Layouts stehen auf Par 36 - die Hälfte von 72, also zwei Par 3, zwei Par 5 und fünf Par 4. Zwei weitere liegen mit Par 32 und Par 35 darunter. Ein dritter Eintrag zeigt Par 72 auf neun Löchern; das sieht nach einem Erfassungsfehler auf unserer Seite aus, und wir schauen ihn uns an. Welche Anlagen die halbe Runde anbieten, steht in unserer Übersicht zu den 9-Loch-Plätzen der Schweiz.

Wichtig für Einsteiger: 34 der 138 von uns erfassten Schweizer Layouts sind Kurzplätze. Dort ist das Par systematisch tiefer, weil kaum Par 5 vorkommen. Ein tiefes Par ist also kein Qualitätsurteil, sondern eine Beschreibung der Länge.

Was Par für deine eigene Runde bedeutet

Par ist der Massstab für den Scratch-Spieler, nicht für dich. Genau dafür gibt es das Handicap: Es rechnet aus, wie viele Schläge du über Par brauchen darfst, um dein Niveau zu bestätigen. Wie diese Zahl funktioniert, steht in Golf Handicap verstehen.

Praktisch nützt dir Par vor allem beim Planen des Lochs. Auf einem Par 5 musst du nicht mit aller Kraft ans Grün - drei kontrollierte Schläge sind der eingebaute Plan. Auf einem Par 3 zählt nur der eine Schlag, der auf dem Grün landen soll. Wer sich das vor dem Abschlag kurz klarmacht, spart pro Runde mehrere Schläge.

Und noch eine Beruhigung: Par ist eine sportliche Referenz, kein Anspruch an dich. Die meisten Golferinnen und Golfer spielen ihr Leben lang über Par und haben trotzdem grossen Spass. Welche Schweizer Plätze am besten bewertet sind, siehst du jederzeit aktuell in unseren Bestenlisten.

Kurz zusammengefasst

  • Par ist der Score eines Scratch-Spielers auf einem Loch, inklusive zwei Putts. Par 3 heisst ein Schlag aufs Grün, Par 5 drei.
  • Die USGA nennt als Richtwerte für die hinteren Herrenabschläge: Par 3 bis rund 238 Meter, Par 4 rund 220 bis 448 Meter, Par 5 rund 411 bis 649 Meter.
  • Entscheidend ist die effektive Spiellänge - Höhenunterschied und Wind zählen mit. In den Bergen macht das viel aus.
  • 59 von 64 erfassten Schweizer 18-Loch-Layouts stehen auf Par 72, 36 von 39 der 9-Loch-Layouts auf Par 36.
  • Der Begriff kommt von der Börse und kam 1870 in Prestwick ins Golf. Bogey war zuerst da und bedeutete ursprünglich dasselbe.