108 Millimeter. Mehr Platz hast du nicht, wenn der Ball fallen soll. Das Mass wirkt willkürlich, und genau das ist es auch. Es geht auf ein Stück Drainagerohr zurück, das vor knapp 200 Jahren zufällig bei einem schottischen Club herumlag.
Vor 1891 hatte jeder Club sein eigenes Loch
Die frühen Plätze waren improvisiert. Die Löcher wurden von Hand mit einer Kelle ausgestochen, von Leuten, die man schlicht Lochstecher nannte. Jedes Loch sah etwas anders aus. Und es wurde im Lauf des Tages grösser: Damals teete man den Ball auf einem Sandhügelchen auf, und den Sand holte man sich aus dem Loch. Nach ein paar Flights war der Rand ausgefranst.
Dagegen kamen Lochfutter auf, also Hülsen, die das Loch von innen stabilisieren. Der früheste bekannte Beleg dafür stammt aus dem Jahr 1825 in Montrose. Damit war die Lochgrösse innerhalb eines Platzes einheitlich. Zwischen den Plätzen aber nicht.
Royal Aberdeen spielte auf Löcher mit sechs Zoll Durchmesser, also 152 Millimeter. Royal Musselburgh nutzte 4,25 Zoll. Das klingt nach einem kleinen Unterschied. Rechnet man die Fläche, ist das Aberdeener Loch fast doppelt so gross.
Nicht allen gefiel das. 1888 beschwerte sich ein Leser im Magazin The Field: In Luffness seien die Löcher so gross, dass ein passabler Spieler praktisch alles unter drei Yards loche. In Sandwich seien sie so klein, dass sie fünf Schläge pro Runde kosteten.
Ein Stück Drainagerohr aus Musselburgh
1829 zahlte Royal Musselburgh einem örtlichen Schmied namens Robert Gay ein Pfund für ein Gerät zum Ausstechen der Löcher. Das Werkzeug liegt heute im Museum des Clubs.
Bleibt die Frage, warum 4,25 Zoll. Weil man dem Schmied dieses Mass vorgab. Und das Mass stammte vom Werkzeug, das man vorher benutzt hatte: nach allem, was überliefert ist, ein altes Stück Drainagerohr. Sein Durchmesser betrug zufällig 4,25 Zoll. Die Mitglieder hatten sich daran gewöhnt, also blieb es dabei.
1891 stellte der R&A die ersten überregionalen Regeln auf und legte den Lochdurchmesser fest. Man nahm das Mass aus Musselburgh. Seither ist es unverändert.
Zur Einordnung: Die älteste überlieferte Regelsammlung stammt von 1744, von den Gentlemen Golfers of Leith. 13 Regeln, 328 Wörter. Zur Lochgrösse stand darin nichts.
Was die Regel heute genau sagt
Die Definition in den Golfregeln ist knapp. Das Loch muss 108 Millimeter Durchmesser haben und mindestens 101,6 Millimeter tief sein. Wird ein Lochfutter verwendet, darf dessen Aussendurchmesser 108 Millimeter nicht überschreiten. Es muss mindestens 25,4 Millimeter unter der Grünoberfläche sitzen, ausser der Boden lässt das nicht zu.
Diese letzte Vorgabe hat einen praktischen Grund. Sitzt das Futter zu hoch, springt ein Ball, der von der Seite hereinrollt, am Metallrand wieder heraus.
Und noch ein Detail: 108 Millimeter ist gerundet. 4,25 Zoll sind exakt 107,95 Millimeter.
Zwei Bälle passen nebeneinander, drei nicht
Ein Golfball muss laut Ausrüstungsregeln mindestens 42,67 Millimeter Durchmesser haben. Ein Maximum gibt es nicht, der Ball darf beliebig gross sein, solange er alle anderen Vorgaben erfüllt. In der Praxis liegen alle Bälle nahe am Minimum, weil kleiner weiter fliegt.
Damit lässt sich rechnen:
- Der Lochdurchmesser entspricht 2,53 Balldurchmessern.
- Zwei Bälle passen nebeneinander ins Loch, das sind 85,3 Millimeter. Drei passen nicht, das wären 128 Millimeter.
- Die Lochfläche ist rund 6,4-mal so gross wie die Querschnittsfläche des Balls.
Das klingt komfortabel. Beim Putten ist es das nicht, weil du in einer Ebene zielst und die Linie über mehrere Meter halten musst. Wie unwahrscheinlich der Volltreffer direkt vom Abschlag ist, haben wir in unserem Beitrag zur Hole-in-One-Wahrscheinlichkeit durchgerechnet.
1607 Löcher in der Schweiz, alle exakt gleich gross
In unserer Datenbank stehen 118 Anlagen, 108 davon in der Schweiz. Bei 90 Schweizer Anlagen haben wir die einzelnen Layouts erfasst: 120 Layouts mit zusammen 1607 Löchern. Die restlichen Anlagen ergänzen wir laufend, die Zahl wird also noch wachsen.
Jedes einzelne dieser Löcher misst 108 Millimeter. Die grösste Anlage in unseren Daten ist Lägern / Golfpark Otelfingen im Kanton Zürich mit 51 Löchern über fünf Layouts. Am anderen Ende steht ein 3-Loch-Kurzplatz, etwa in Brigels in Graubünden. Zwischen beiden liegen Welten bei Länge, Preis und Anspruch. Beim Loch liegt kein Millimeter dazwischen.
Das ist der unterschätzte Reiz an der Sache. Auf dem 6-Loch-Kurzplatz in Meggen zielst du auf dasselbe Mass wie die Profis im Fernsehen. Wie die Plätze sonst abschneiden, bei Bewertung, Restaurant und Greenfee, siehst du in unseren Bestenlisten.
Zeitlich passt das gut zusammen: Die ältesten Golfplätze der Schweiz entstanden ungefähr in der Zeit, in der die R&A das Lochmass festschrieb. Wer hier den ersten Ball einlochte, tat das schon in einem 108-Millimeter-Loch.
Was passiert, wenn man das Loch grösser macht
2014 hat TaylorMade das ausprobiert. Bei einer Aktion namens Hack Golf spielten Sergio Garcia und Justin Rose neun Löcher auf einer Anlage in Georgia, mit einem Becher von 15 Zoll Durchmesser. Das sind 381 Millimeter und rund die zwölffache Fläche eines normalen Lochs.
Das Ergebnis: Garcia spielte 30, Rose 33, und die neun Löcher waren in gut anderthalb Stunden gespielt. Schneller und einfacher, ja. Trotzdem verpassten auch die beiden längere Putts. Als Weg, Einsteiger für den Sport zu gewinnen, hat sich die Idee nicht durchgesetzt. Als Spass auf der Übungsanlage taucht sie hin und wieder immer noch auf.
Ich finde die Episode aufschlussreich. Sie zeigt, dass die 108 Millimeter nicht funktionieren, weil sie durchdacht wären. Sie funktionieren, weil sich das Spiel 200 Jahre lang um dieses Mass herum entwickelt hat. Grüngeschwindigkeit, Puttertechnik, Platzarchitektur, alles ist darauf eingestellt. Ein zufälliges Stück Rohr hat den Sport geprägt wie wenige bewusste Entscheidungen.
Kurz zusammengefasst
- Ein Golfloch misst 108 Millimeter im Durchmesser, exakt 4,25 Zoll oder 107,95 Millimeter, und ist mindestens 101,6 Millimeter tief.
- Das Mass geht auf ein altes Stück Drainagerohr bei Royal Musselburgh zurück. 1829 liess der Club dort einen Lochstecher in dieser Grösse schmieden.
- 1891 machte der R&A daraus eine Regel. Davor hatte jeder Club sein eigenes Mass, Royal Aberdeen zum Beispiel sechs Zoll.
- Ein Golfball misst mindestens 42,67 Millimeter. Zwei passen nebeneinander ins Loch, drei nicht.
- In unserer Datenbank sind 1607 Löcher auf 90 Schweizer Anlagen erfasst. Jedes einzelne ist gleich gross, vom 3-Loch-Kurzplatz bis zur 51-Loch-Anlage.