Ich habe lange gedacht, im Golf komme aus der Schweiz nichts ausser hohen Greenfees. Das stimmt so nicht. Es kommt nur wenig — und selten dort, wo man danach sucht. Bei den Schlägern ist die Liste kurz. Bei Kleidung, Puttern und Uhren wird sie interessant.
Bei den Schlägern führt der Weg in die USA und nach Asien
Wer im Pro Shop steht, sieht Titleist, Callaway, TaylorMade, Ping, Mizuno, Cobra, Srixon. Amerikanische und japanische Marken, gefertigt fast durchwegs in Asien. Einen Schweizer Serienhersteller für Eisen oder Driver gibt es nicht. Das ist keine Marktlücke, sondern eine Frage der Stückzahl. Schlägerköpfe werden in Millionen gegossen, und dafür ist die Schweiz der teuerste denkbare Standort.
Welche Marke wofür steht, haben wir in Golfschläger-Marken im Vergleich auseinandergenommen. Es gibt aber eine Nische, in der Schweizer Fertigung Sinn ergibt. Ausgerechnet beim Schläger, den du auf jedem Loch in die Hand nimmst.
myvicto: Putter aus einer Walliser Werkstatt
myvicto, früher als Victo Golf unterwegs, baut Putter in Granges im Wallis. Also im selben Dorf, in dem auch der Platz von Sierre liegt. Jeder Kopf wird nach Angaben der Firma aus einem einzigen Block Aluminium der Legierung 6061 gefräst und einzeln montiert. Gefertigt wird in einer geschützten Werkstatt, in der Menschen mit Beeinträchtigung mitarbeiten.
Gegründet haben die Marke ein Präzisionsmechaniker und ein Herzchirurg. Das technische Merkmal ist eine leicht gewölbte Schlagfläche statt der üblichen flachen. Die Idee dahinter: Der Loft verändert sich von unten nach oben und gleicht dadurch aus, wo genau der Ball die Fläche trifft.
Ob das für dein Putten den Unterschied macht, ist eine andere Frage. Unabhängige Messreihen dazu sind dünn, und im Putten ist «fühlt sich besser an» notorisch schwer von Einbildung zu trennen. Was sich nicht wegdiskutieren lässt: Der Putter ist tatsächlich in der Schweiz gefertigt, und die Modelle heissen Moiry, Emosson, Zeuzier und Barberine — alles Walliser Stauseen.
KJUS: vom Skianzug zur Regenjacke
Die bekannteste Schweizer Marke im Golf ist keine Schlägermarke, sondern eine Kleidermarke. KJUS wurde im Jahr 2000 in Hünenberg im Kanton Zug gegründet, vom Unternehmer Didi Serena zusammen mit dem norwegischen Skirennfahrer Lasse Kjus. Der Anfang war Skibekleidung. Erst 2012 kam die Golfkollektion dazu.
Den Namen gemacht hat sich KJUS im Golf vor allem mit Regenbekleidung. Sehr leicht, sehr teuer — und in einer Sportart, in der man vier Stunden lang nicht ins Trockene kommt, offenbar überzeugend genug, dass die Jacken auf den Touren auftauchten. Im Juli 2019 übernahm der amerikanische Acushnet-Konzern die Firma, der Mutterkonzern von Titleist und FootJoy. Laut Mitteilung zur Übernahme bleibt der Hauptsitz in Hünenberg.
Das ist der Punkt, an dem «Schweizer Marke» unscharf wird. KJUS ist in der Schweiz gegründet und wird von hier aus geführt, gehört aber einem amerikanischen Konzern. Produziert wird ohnehin nicht in Zug. Wer hier ein Stück Swissness erwartet, kauft eine Herkunft, kein Herstellungsland.
Die grösste Schweizer Marke im Golf ist eine Uhrenmarke
Wer Golf im Fernsehen schaut, sieht Schweiz. Nur nicht auf dem Schläger, sondern auf dem Leaderboard. Omega ist seit 2001 Titelsponsor des Omega European Masters. Das Turnier wurde 1923 als Swiss Open gegründet, damals gab es in der ganzen Schweiz elf Golfplätze. Seit 1939 wird es in Crans-sur-Sierre gespielt, seit 1948 ohne Unterbruch am selben Ort. Kein anderes europäisches Turnier hält so lange an einem Platz fest.
Omega ist nicht der einzige Schweizer Name in der Sponsorengeschichte des Turniers. Ebel, UBS, Swissair und Swisscom stehen ebenfalls auf der Liste. Hauptsponsor von 1991 bis 2000 war übrigens Canon, also eine japanische Firma — die Schweizer Uhr kam erst danach aufs Plakat. Wann du welches Turnier in der Schweiz als Zuschauer siehst, steht in Golfturniere in der Schweiz. Die übrigen Walliser Plätze findest du unter Golf im Wallis.
Stark ist die Schweiz nicht in der Produktion, sondern im Handel
Der Schweizer Beitrag zum Golf liegt weniger im Bauen als im Verkaufen und Beraten. 62 der 108 Schweizer Anlagen in unserer Datenbank haben einen eigenen Pro Shop, 96 eine Driving Range. Dazu kommen die grossen Fachhändler und die Onlineshops.
Für Einsteiger ist das die wichtigere Information als jedes Herkunftsland. Ein Pro Shop, der sich zwanzig Minuten Zeit nimmt und dich beim Anpassen begleitet, bringt dir mehr als der beste Schläger aus dem falschen Regal. Welche Wege es in der Schweiz gibt, steht in Golf-Shops in der Schweiz.
Wie du «Schweizer Marke» richtig liest
- In der Schweiz gegründet heisst nicht in der Schweiz produziert. Bei Bekleidung ist das die Regel, nicht die Ausnahme.
- «Swiss made» ist bei Uhren gesetzlich geregelt, bei Sportartikeln nicht. Wenn es dir wichtig ist, frag den Hersteller direkt, wo gefertigt wird.
- Eigentümerwechsel sieht man dem Etikett nicht an. KJUS ist dafür das beste Beispiel.
- Echte Schweizer Fertigung findest du in Nischen: Putter, Griffe, Zubehör. Nichts, was in Millionenauflage gebaut wird.
Kurz zusammengefasst
- Einen Schweizer Serienhersteller für Golfschläger gibt es nicht. Der Markt gehört amerikanischen und japanischen Marken.
- myvicto fräst Putter in Granges im Wallis aus einem Block Aluminium 6061. Die Modelle sind nach Walliser Stauseen benannt.
- KJUS kommt aus Hünenberg ZG, gegründet 2000, Golfkollektion seit 2012, seit Juli 2019 im Besitz von Acushnet (Titleist, FootJoy).
- Omega ist seit 2001 Titelsponsor des European Masters in Crans-Montana. Das Turnier startete 1923 als Swiss Open.
- 62 der 108 Schweizer Anlagen haben einen Pro Shop, 96 eine Driving Range. Da liegt die eigentliche Schweizer Stärke im Golf.
Und wenn dich weniger interessiert, woher die Ausrüstung kommt, als wo sie am meisten Spass macht: Unsere Bestenlisten ziehen ihre Zahlen direkt aus der Datenbank und sind damit immer aktueller als jede Liste in einem Artikel.