Ich habe jahrelang Stiff gespielt, weil Stiff nach Können klang. Regular fühlte sich an wie das Set aus dem Supermarkt. Erst auf einer Range mit Launchmonitor hat mir jemand vorgerechnet, dass mein Schwung dafür schlicht zu langsam ist. Die Umstellung auf Regular hat mir keine Technik gebracht, aber jeden Schlag ein Stück ruhiger gemacht. Das ist der Buchstabe auf dem Schaft: unauffällig, und trotzdem einer der grössten Hebel im Bag.
Was der Flex überhaupt macht
Ein Golfschaft ist kein starres Rohr. Im Rückschwung und vor allem im Übergang nach unten biegt er sich, dann schnellt er kurz vor dem Treffmoment zurück. Diese Rückfederung bringt zusätzliche Kopfgeschwindigkeit und beeinflusst, wie der Schlägerkopf im Ball steht.
Der Flex beschreibt, wie stark sich der Schaft dabei verbiegt. Ein weicher Schaft lädt sich früher und stärker auf, ein steifer Schaft bleibt ruhiger. Passt der Flex zum Schwung, kommt der Kopf zum richtigen Zeitpunkt zurück. Passt er nicht, arbeitet der Schaft gegen dich statt für dich.
Die Buchstaben auf dem Schaft
Fünf Bezeichnungen begegnen dir im Laden immer wieder:
- L für Ladies. Der weichste gängige Flex, gedacht für langsamere Schwünge.
- A oder M für Senior. A steht historisch für Amateur, gemeint ist der Bereich zwischen Ladies und Regular.
- R für Regular. Der mit Abstand meistverkaufte Flex und für die meisten Amateure der richtige.
- S für Stiff. Für kräftige, schnelle Schwünge.
- X für Extra Stiff. Tour-Bereich und sehr lange Hitter.
Manche Hersteller schieben Zwischenstufen dazwischen, etwa R2, SR oder TX. Das ist kein Marketing-Unsinn, sondern ein Eingeständnis: Die fünf klassischen Stufen sind grob.
Welcher Flex zu welcher Schwunggeschwindigkeit gehört
Die üblichen Fittingtabellen gehen von der Schlägerkopfgeschwindigkeit mit dem Driver aus. Die Werte sind in Meilen pro Stunde angegeben, weil praktisch alle Launchmonitore so messen. In Klammern die Umrechnung.
- Unter etwa 85 mph (137 km/h): Senior oder Ladies.
- Etwa 85 bis 95 mph (137 bis 153 km/h): Regular.
- Etwa 95 bis 105 mph (153 bis 169 km/h): Stiff.
- Über 105 mph (169 km/h): Extra Stiff.
Die Grenzen wandern je nach Quelle um ein paar mph. MyGolfSpy setzt Senior bei 72 bis 83 mph an, Regular bei 84 bis 96 und Stiff bei 97 bis 104. Andere Tabellen legen die Schwelle zu Stiff schon bei 95. Wer genau auf einer Grenze liegt, bekommt also je nach Tabelle eine andere Antwort — ein guter Hinweis darauf, wie ungenau diese Einteilung ist.
Interessant wird es, wenn man die Verteilung danebenlegt. Trackman misst beim durchschnittlichen männlichen Amateur mit Handicap um 14 rund 93 mph. Etwa 70 Prozent der männlichen Amateure liegen zwischen 85 und 95 mph. Anders gesagt: Der grosse Teil aller Freizeitgolfer gehört in Regular. Verkauft wird trotzdem auffällig viel Stiff.
Warum die Tabelle nur ein Startpunkt ist
Es gibt keine Norm für Schaftflex. Kein Verband, kein Gremium, keine Messvorschrift. Jeder Hersteller legt selbst fest, was er Regular nennt. Ein als Stiff verkaufter Schaft der einen Marke kann steifer, gleich steif oder weicher sein als ein Regular einer anderen.
Messbar ist die Steifigkeit über die Eigenfrequenz, angegeben in CPM, also Schwingungen pro Minute. Ein Driverschaft in Regular liegt typischerweise bei 230 bis 245 CPM, ein Stiff bei 250 bis 265. Typischerweise heisst hier wirklich typischerweise: Die Bereiche überlappen zwischen Herstellern, und viele veröffentlichen ihre CPM-Werte gar nicht. Wer wissen will, was er in der Hand hält, muss messen lassen.
Dazu kommt dein Tempo. Zwei Spieler mit identischen 92 mph brauchen nicht denselben Schaft. Wer den Schläger geschmeidig führt, kommt mit einem weicheren Flex gut zurecht. Wer den Übergang aggressiv einleitet und den Schaft früh belastet, braucht bei gleicher Geschwindigkeit oft eine Stufe steifer. Geschwindigkeit ist die halbe Information, Tempo die andere.
Der häufigste Fehlkauf: zu steif
Zu steif zu spielen gilt als einer der verbreitetsten Ausrüstungsfehler im Golf. Der Grund ist selten technisch, sondern psychologisch: Stiff klingt besser. Niemand kauft gern den weicheren Schaft.
Auf dem Platz sieht das dann so aus: Der Ball fliegt flach, landet ohne Stoppwirkung, und die Distanz bleibt hinter dem zurück, was der Schwung eigentlich hergeben würde. Der Schaft lädt sich zu wenig auf, der Schlägerkopf kommt tendenziell offen in den Ball, und aus einem sauberen Schwung wird ein Fade, der irgendwann als Slice endet. Was da wirklich passiert und was noch dahinterstecken kann, steht in unserem Beitrag zu Slice und Hook.
Der umgekehrte Fall ist seltener, aber genauso unangenehm. Ein zu weicher Schaft fühlt sich im Übergang schwammig an, der Ball steigt hoch und geht bei viel Krafteinsatz gern nach links. Wer aus dem Nichts anfängt, Bälle zu ziehen, sollte den Flex zumindest im Verdacht haben.
Das Gewicht wird unterschätzt
Beim Schaft diskutieren alle über den Flex, und fast niemand über das Gewicht. Dabei hängen beide zusammen: Je schwerer ein Schaft gebaut ist, desto steifer wird er in der Regel. Ein schwerer Regular kann sich näher an einem leichten Stiff anfühlen als an einem anderen Regular.
MyGolfSpy zählt das Schaftgewicht zu den wichtigsten Punkten beim Fitting überhaupt, weil es die Gewichtsverteilung im ganzen Schläger verändert und damit das Timing. Praktisch heisst das: Ein Buchstabe allein beschreibt einen Schaft nicht. Flex, Gewicht und Torsion gehören zusammen betrachtet.
Woran du merkst, dass etwas nicht stimmt
Ein paar Anzeichen, die sich ohne Messgerät beobachten lassen:
- Dein Ballflug ist durchgehend flach und die Bälle rollen mehr, als sie fliegen. Klassischer Hinweis auf zu steif.
- Du musst dich anstrengen, um Länge zu erzeugen. Ein passender Schaft arbeitet mit, ein zu steifer verlangt Kraft.
- Deine Eisen fliegen kürzer, als die Nummer verspricht, obwohl du sie sauber triffst.
- Der Schläger fühlt sich im Übergang nach unten weich und unkontrolliert an. Dann eher zu weich.
Keiner dieser Punkte ist ein Beweis. Ein mieser Treffpunkt erzeugt dieselben Symptome wie ein falscher Schaft. Deshalb gilt: erst messen, dann kaufen.
Wo du deine Schwunggeschwindigkeit messen lässt
In der Schweiz ist die Gelegenheit dazu näher, als viele denken. In unserer Datenbank stehen 108 Schweizer Anlagen, 96 davon haben eine Driving Range und 62 zusätzlich einen Pro Shop auf dem Gelände. Das ist die klassische Kombination für ein Fitting: Range zum Schlagen, Shop mit Messgerät und Testschäften.
Der Golfpark Oberkirch in Luzern ist ein Beispiel für so eine Anlage, mit Range und Shop und 4.5 Sternen aus 446 Google-Bewertungen. Für den Grossraum Zürich ist Albis-Golf in Wettswil eine reine Range, 4.6 Sterne aus 167 Bewertungen — für eine Anlage ohne Platz ist das eine hohe Stimmenzahl. Welche Geräte im Einzelfall zur Verfügung stehen und was ein Fitting kostet, sagt dir der Club direkt; das steht nicht in unserer Datenbank und wir raten hier nicht.
Im Winter oder bei Regen tun es auch die Simulatoren. Sechs reine Indoor-Anlagen führen wir in der Schweiz, dazu kommen Simulatoren in Shops und Clubs. Was diese Geräte tatsächlich messen und wo ihre Grenzen liegen, haben wir in Indoor-Golf in der Schweiz aufgeschrieben.
Was das für den Kauf heisst
Wenn du am Anfang stehst: Regular ist die vernünftige Voreinstellung, und Anfängersets kommen ohnehin fast immer damit. Wichtiger als der Flex ist in dieser Phase, überhaupt die richtigen Schläger im Bag zu haben. Welche das sind, steht in Golfschläger für Anfänger.
Beim Gebrauchtkauf ist der Flex dagegen die erste Frage, nicht die letzte. Ein günstiger Satz Eisen nützt nichts, wenn die Schäfte zwei Stufen zu steif sind, und umschäften kostet schnell mehr als der Schläger wert ist. Worauf du sonst noch achten solltest, steht in Gebrauchte Golfschläger kaufen.
Und noch etwas, das selten jemand sagt: Der Flex verändert sich nicht, dein Schwung schon. Wer über zwei Jahre regelmässig spielt und dabei schneller wird, sitzt irgendwann im falschen Schaft. Das ist kein Argument, jede Saison neu zu kaufen, aber ein guter Grund, den Flex alle paar Jahre wieder zu prüfen.
Kurz zusammengefasst
- Faustregel nach Driver-Geschwindigkeit: unter 85 mph Senior, 85 bis 95 mph Regular, 95 bis 105 mph Stiff, darüber Extra Stiff. Je nach Quelle verschieben sich die Grenzen um einige mph.
- Der durchschnittliche männliche Amateur schwingt laut Trackman rund 93 mph, etwa 70 Prozent liegen zwischen 85 und 95. Für die meisten heisst das Regular.
- Es gibt keine Norm für Flex. Stiff bei Marke A kann weicher sein als Regular bei Marke B. Vergleichbar wird es erst über die Frequenz in CPM.
- Zu steif ist der häufigere Fehler als zu weich. Flacher Ballflug, fehlende Länge und ein Fade nach rechts sind die typischen Anzeichen.
- Gewicht und Tempo gehören zur Entscheidung dazu. 96 der 108 Schweizer Anlagen in unserer Datenbank haben eine Driving Range, 62 davon auch einen Shop — Gelegenheit zum Messen gibt es genug.