Ein neues Einsteigerset kostet schnell 700 bis 1000 Franken, ein gutes gebrauchtes oft die Hälfte oder weniger. Und ehrlich: Am Anfang merkst du den Unterschied zwischen neu und gebraucht ohnehin kaum. Gebraucht zu kaufen ist also nicht die Notlösung, sondern für viele Einsteiger die vernünftigste Wahl. Man muss nur wissen, worauf man schaut.
Was du überhaupt brauchst
Die Regel erlaubt 14 Schläger. Als Anfänger brauchst du weit weniger. Ein Driver oder ein Holz für den Abschlag, ein paar Eisen, ein Wedge fürs kurze Spiel und ein Putter reichen für den Start. Welche Schläger wirklich sinnvoll sind, haben wir in Golfschläger für Anfänger im Detail beschrieben. Der Vorteil beim Gebrauchtkauf: Du kannst mit einem kleinen, günstigen Set starten und später gezielt einzelne Schläger ersetzen.
Die Schlägerfläche zuerst prüfen
Das Wichtigste an einem Eisen ist die Schlagfläche mit ihren Rillen. Sie geben dem Ball den nötigen Spin. Nimm den Schläger in die Hand und fahr mit dem Fingernagel über die Rillen: Spürst du sie klar, sind sie in Ordnung. Sind sie glatt geschliffen, ist der Schläger stark abgenutzt — häufig bei billigen Angeboten von Vielspielern.
Leichte Gebrauchsspuren auf der Fläche sind normal und harmlos. Was du meiden solltest, sind tiefe Kerben oder Roststellen mitten auf der Schlagfläche. Am Rand und auf der Sohle sind Kratzer dagegen kein Problem, die holt sich jeder Schläger im ersten Monat.
Der Schaft: hier wird es ernst
Ein beschädigter Schaft ist der einzige wirklich gefährliche Defekt. Prüfe jeden Schaft auf seiner ganzen Länge:
- Bei Stahlschäften auf Rost und kleine Diebeulen achten. Oberflächlicher Rost ist meist harmlos, tiefe Dellen schwächen den Schaft.
- Bei Graphitschäften auf Haarrisse und Splitter achten. Ein gerissener Graphitschaft kann beim Schwung brechen — Finger weg.
- Am Übergang von Schaft zu Schlägerkopf prüfen, ob alles fest sitzt. Wackelt der Kopf, wurde der Schläger schlecht gelagert oder repariert.
Wenn du unsicher bist, nimm jemanden mit, der spielt, oder kauf im Fachhandel gebraucht. Viele Golfshops verkaufen geprüfte Occasionen mit kurzer Garantie — das kostet etwas mehr als der Privatkauf, gibt dir aber Sicherheit beim Schaft.
Griffe sind Verschleiss — und das ist gut so
Abgenutzte, harte oder glatte Griffe sehen unschön aus, sind aber kein Grund, ein Set abzulehnen. Griffe sind Verschleissteile und lassen sich für wenige Franken pro Stück ersetzen. Ein abgegriffener Griff ist eher ein Verhandlungsargument als ein Mangel. Kalkulier den Neubezug einfach ein, wenn du den Preis vergleichst.
Rechts oder links, Herren oder Damen — nicht verwechseln
Der häufigste Fehler beim Gebrauchtkauf: das falsche Set für die eigene Körperseite oder Statur. Achte auf drei Dinge:
- Rechts- oder Linkshänder. Klingt banal, wird aber oft übersehen. Ein Linkshänderset ist für Rechtshänder unbrauchbar.
- Herren- oder Damenschläger. Damenschläger sind meist etwas kürzer und leichter, mit flexiblerem Schaft. Das ist keine Frage des Geschlechts, sondern von Grösse und Schwungtempo.
- Die Länge zur Körpergrösse. Sehr grosse oder sehr kleine Spieler brauchen angepasste Schläger. Bei Standardgrösse passt das Standardset gut.
Wo du gebraucht kaufst
Es gibt drei gängige Wege, jeder mit einem Haken:
- Online-Kleinanzeigen. Günstig und grosse Auswahl, aber du kaufst ungeprüft. Lass dir Fotos von Schlagfläche und Schaft schicken und triff dich zum Ansehen.
- Golfshops mit Occasionen. Teurer, dafür geprüft und oft mit Beratung. Für Einsteiger, die nicht selbst prüfen können, der sicherste Weg.
- Aushänge im Club. Wer im Club nachfragt, findet oft Mitglieder, die ihr altes Set günstig abgeben, wenn sie aufrüsten.
Und ein letzter Tipp: Bevor du überhaupt kaufst, leih dir auf einer Pay-and-Play-Anlage ein Set und spiel eine Runde. Auf Moossee bei Bern oder Holzhäusern geht das ohne Mitgliedschaft. So merkst du, was dir liegt, bevor du Geld ausgibst.
Spar am Schläger, nicht am Lernen
Der Punkt, den ich Einsteigern am meisten ans Herz lege: Ein gebrauchtes Set ist eine kluge Entscheidung. Das gesparte Geld ist bei einem Pro besser aufgehoben als in teurem Material. Ein Set für 2000 Franken macht dich nicht besser — ein paar Lektionen schon. Wie du auch beim Spielen selbst sparst, steht in Greenfee sparen in der Schweiz.
Kurz zusammengefasst
- Ein gebrauchtes Set kostet oft die Hälfte und reicht für Einsteiger völlig.
- Rillen der Schlagfläche prüfen: spürbar gut, glatt geschliffen schlecht.
- Der Schaft ist entscheidend. Risse im Graphit oder tiefe Dellen im Stahl bedeuten: Finger weg.
- Abgenutzte Griffe sind Verschleiss und günstig zu ersetzen — ein Verhandlungsargument.
- Auf Rechts/Links und Herren/Damen achten. Im Zweifel im Golfshop eine geprüfte Occasion kaufen.