Zwei Spieler, zwei Bälle am Abschlag, und erst danach beginnt das eigentliche Spiel. Vierer mit Auswahldrive ist eine der zugänglichsten Team-Spielformen im Golf – und gleichzeitig eine der am häufigsten falsch erklärten. International heisst sie Greensome, manchmal auch Scotch Foursomes, Canadian Foursomes oder Modified Pinehurst. Woher der Name Greensome stammt, ist laut golfhistorischen Quellen nicht eindeutig geklärt.

So läuft ein Loch ab

An jedem Abschlag schlagen beide Teampartner einen eigenen Ball. Danach entscheidet das Team, welcher der beiden Bälle liegen bleibt. Der andere wird aufgenommen.

Ab dem zweiten Schlag zählt nur noch der gewählte Ball, und ab hier wird abwechselnd gespielt. Die Reihenfolge ergibt sich automatisch: Wessen Abschlag nicht gewählt wurde, spielt den zweiten Schlag. Danach wechseln sich die Partner mit jedem weiteren Schlag ab, bis der Ball im Loch liegt.

Am nächsten Abschlag beginnt alles wieder von vorn. Anders als beim klassischen Vierer schlagen nicht abwechselnd die geraden und ungeraden Löcher – beide Partner schlagen bei jedem einzelnen Loch ab.

Die Sonderregel für den Fall, dass beide Bälle weg sind

Landen beim Abschlag beide Bälle im Aus oder gehen beide verloren, muss die Gruppe nicht zurück zum Abschlag. Ein Partner darf mit einem Strafschlag einen neuen Ball ins Spiel bringen, und das Loch geht ohne den langen Rückweg weiter.

Der Unterschied zu Foursome, Chapman und Scramble

Beim Foursome schlägt an jedem Loch nur ein Partner ab, fest abwechselnd an geraden und ungeraden Löchern, mit nur einem Ball von Anfang an. Beim Vierer mit Auswahldrive schlagen dagegen immer beide ab. Zwei Versuche statt einem, das macht die Spielform spürbar fehlerverzeihender und ist ein Hauptgrund, warum sie bei gemischten Teams und Einsteigern beliebt ist.

Zum Chapman Vierer gibt es einen feinen, aber wichtigen Unterschied. Beim Chapman spielen die Partner nach dem Abschlag zunächst über Kreuz den Ball des anderen als zweiten Schlag, bevor ein Ball gewählt wird – drei Schläge sind also im Spiel, bevor sich das Team auf einen Ball festlegt. Beim Vierer mit Auswahldrive fällt die Entscheidung direkt nach dem Abschlag.

Am weitesten entfernt ist der Scramble: Dort spielt das ganze Team jeden einzelnen Schlag von der besten Lage aus, nicht nur den Abschlag. Vierer mit Auswahldrive erlaubt die freie Wahl nur einmal pro Loch, danach gilt striktes Abwechseln.

Es gibt noch eine Turniervariante, die kaum bekannt ist: Beim sogenannten Bloodsome entscheidet nicht das eigene Team, welcher Ball weitergespielt wird, sondern die gegnerische Partnerschaft. Für ein lockeres Clubturnier ist das ein netter Twist, im Ernstfall aber selten im Einsatz.

Die Handicap-Regel: 60 zu 40

Für die Vorgabenberechnung nennt die USGA eine feste Formel: 60 Prozent des tieferen Course Handicaps plus 40 Prozent des höheren, gerundet auf eine ganze Zahl. Damit zählt der stärkere Partner etwas mehr – logisch, denn sein Abschlag wird am Ende öfter gewählt. Es ist dieselbe Gewichtung, die auch beim verwandten Chapman-Format gilt.

Am Turniertag lohnt sich trotzdem ein Blick ins Ausschreibungsblatt: Manche Clubs weichen von der USGA-Formel ab oder rechnen für Stableford-Wertungen leicht anders.

Warum die Spielform bei Turnieren beliebt ist

Zwei Abschläge statt einem senken das Risiko, dass ein Loch schon nach dem ersten Schlag gelaufen ist. Gewertet wird meist nach Stableford, als Zählspiel oder als Lochwettbewerb, genau wie beim klassischen Vierer. Ein kurzes taktisches Gespräch vor dem ersten Abschlag lohnt sich trotzdem: Oft schlägt der sicherere Spieler zuerst, damit ein brauchbarer Ball im Fairway liegt, bevor der zweite Spieler etwas riskanter auf mehr Länge geht. Landet der mutigere Drive besser, wird er gewählt. Landet er im Rough, bleibt der sichere erste Ball die Absicherung.

Wo du es ausprobieren kannst

Viele Schweizer Clubs setzen Vierer mit Auswahldrive als lockeres Sommerformat oder Firmenturnier an. Der Golfpark Zürichsee in Wangen SZ ist als Pay-and-Play-Anlage ein einfacher Einstieg, wenn du das Format zu zweit ausprobieren willst, ohne Mitglied sein zu müssen. Im Tessin lohnt sich ein Blick auf Golf Lugano in Magliaso, offen für Gäste und mit einer der längeren Saisons der Schweiz.

Kurz zusammengefasst

  • Zwei Spieler pro Team, beide schlagen an jedem Loch ab.
  • Das Team wählt danach den besseren Ball, der andere wird aufgenommen; wer nicht gewählt wurde, spielt den nächsten Schlag.
  • Ab dem zweiten Schlag wird abwechselnd gespielt, bis der Ball im Loch liegt.
  • Unterschied zu Foursome: zwei Abschläge statt einem. Unterschied zu Chapman: keine Kreuz-Runde vor der Ballwahl. Unterschied zu Scramble: die freie Wahl gilt nur einmal pro Loch.
  • Die USGA-Handicap-Formel lautet 60 Prozent vom tieferen, 40 Prozent vom höheren Course Handicap.