Ein Ball, zwei Spieler, abwechselnd geschlagen. Klingt simpel. In der Praxis ist das Foursome die Spielform, bei der am meisten schiefgeht, und meistens nicht wegen der Schläge, sondern wegen der Reihenfolge. Wer wann dran ist, steht in Regel 22 der Golfregeln. Und dort stehen ein paar Dinge, die auch erfahrene Clubgolfer regelmässig überraschen.
Ein Ball, abwechselnd gespielt
Foursome heisst auf Deutsch Vierer und auf Englisch auch Alternate Shot. Zwei Partner bilden eine Seite und spielen zusammen einen einzigen Ball. Der eine schlägt ab, der andere spielt den zweiten Schlag, dann wieder der erste. So geht es weiter, bis der Ball im Loch ist. Das gilt für jeden Schlag, nicht nur für die Abschläge, und auch auf dem Grün.
Das ist etwas völlig anderes als Fourball, wo jeder seinen eigenen Ball spielt und pro Loch das bessere Ergebnis zählt. Die beiden Begriffe werden ständig verwechselt. Wer die Abgrenzung sauber haben will, findet sie in unserem Artikel zu Fourball und Bestball. Der Merksatz ist kurz: zwei Bälle pro Seite ist Fourball, ein Ball pro Seite ist Vierer.
Ein Detail sorgt oft für Diskussionen am Abschlag: Strafschläge ändern die Reihenfolge nicht. Wer den Ball ins Wasser schlägt, ist danach nicht plötzlich aus dem Rhythmus. Der Partner ist als nächstes dran, egal wie viele Strafschläge dazwischenliegen.
Die Abschlagsregel entscheidet mehr, als man denkt
Am ersten Abschlag darf die Seite wählen, wer beginnt, sofern die Turnierbedingungen es nicht vorschreiben. Danach ist alles fix. Wer auf Loch 1 abschlägt, schlägt auf allen ungeraden Löchern ab. Der Partner übernimmt alle geraden. Diese Entscheidung trefft ihr einmal für 18 Löcher.
Deshalb lohnt sich ein Blick auf die Scorekarte, bevor ihr euch einigt. Liegen die Par-3-Löcher auf 4, 8, 12 und 16, schlägt derselbe Spieler alle vier ab. Wer mit den langen Eisen sicher ist, nimmt diese Seite. Wer den Driver besser trifft, nimmt die andere. Zwei Minuten vor der Runde, und ihr habt schon etwas gewonnen.
Sechs Punkte aus Regel 22, die überraschen
- Beide Partner dürfen für die Seite handeln: markieren, aufheben, droppen, hinlegen. Auch dann, wenn der andere als nächstes schlägt.
- Der Partner darf beraten wie ein Caddie. Aber auch nicht mehr, als ein Caddie dürfte.
- Ihr dürft die Schläger teilen, solange ihr zusammen höchstens 14 dabeihabt. Zwei halbe Sätze in einem Bag sind also erlaubt.
- Einen provisorischen Ball spielt der, der ohnehin als nächstes an der Reihe wäre. Nicht der, dessen Schlag im Gebüsch gelandet ist.
- Schlägt der Falsche, gibt es die Grundstrafe. Im Zählspiel muss der richtige Partner die Stelle nachspielen. Wird der Fehler nicht vor dem nächsten Abschlag korrigiert, ist die Seite disqualifiziert.
- Ihr dürft euch nicht hinter dem Partner in die Verlängerung der Spiellinie stellen, um Informationen für den nächsten Schlag zu sammeln.
Der letzte Punkt klingt kleinlich, ist aber der Grund, warum man bei Übertragungen sieht, wie der Partner betont seitlich steht. Und der vorletzte ist der teuerste Fehler im Vierer überhaupt.
Wo Foursomes auf höchstem Niveau gespielt werden
Der Ryder Cup ist die grösste Bühne. Über drei Tage werden 28 Punkte vergeben: acht Foursomes, acht Fourballs und zwölf Einzel. Für den Sieg braucht ein Team 14,5 Punkte. Die Foursomes laufen am Freitag- und am Samstagmorgen mit je vier Matches. Gespielt wird im Lochspiel, das sich vom Zählspiel grundlegend unterscheidet, wie wir in Matchplay gegen Zählspiel beschrieben haben.
2025 gewann Europa in Bethpage Black mit 15:13. Es war der erste Auswärtssieg einer Mannschaft seit Europas Erfolg 2012 in Medinah. Der nächste Ryder Cup findet vom 17. bis 19. September 2027 in Adare Manor in Irland statt, mit vier Vorbereitungstagen davor.
Auch Solheim Cup und Presidents Cup setzen auf das Format. Und seit 2017 gibt es mit der Zurich Classic ein Team-Turnier auf der PGA Tour, bei dem Foursomes- und Fourball-Runden abwechseln. Das ist selten: Der Profigolf-Alltag ist Einzel-Zählspiel.
In der Schweiz startet die Interclub-Meisterschaft mit einem Vierer
Wer denkt, Foursomes seien etwas für das Fernsehen, hat die Swiss Golf Interclub Championship nicht auf dem Schirm. Sie ist der Schweizer Clubwettkampf schlechthin, und sie beginnt mit genau dieser Spielform. Tag 1: Foursomes-Zählspiel über 18 Löcher. Tag 2: Einzel-Zählspiel über 18 Löcher.
Ein Team besteht aus sechs Spielerinnen oder Spielern. Für das Gesamtresultat zählen die zwei besten Foursomes-Resultate und die fünf besten Einzelresultate, zusammen sieben Ergebnisse. Von drei Vierer-Paaren zählen also nur zwei. Ein schwacher Vierer lässt sich streichen. Zwei schwache nicht.
An der Ausgabe 2026 nahmen 236 Teams teil. Den Doppelsieg bei den Frauen und den Männern holte der Golf Club de Lausanne. Die Serie 50+ wird separat ausgetragen: 140 Teams in zehn Serien, und bei den Frauen verteidigte der Golf & Country Club Zürich in Zumikon seinen Titel.
Ganz nebenbei: Die Meldegebühr betrug laut Reglement 2025 1300 Franken pro Team, das offizielle Nachtessen ohne Getränke inbegriffen. Ein Interclub-Wochenende ist für einen Club also kein Nebenposten.
2026 kam die erste Schweizer Foursome-Meisterschaft dazu
Swiss Golf hat 2026 erstmals eine Swiss Golf Foursome Championship durchgeführt, vom 15. bis 17. Mai im Golfclub Luzern. Ein Blick auf die Anlagen im Kanton Luzern zeigt, wie dicht das Angebot in dieser Ecke ist.
Interessant ist das Reglement. Die Teams dürfen weiblich, männlich oder gemischt sein, und die beiden Partner müssen nicht aus demselben Club kommen. Das ist im Schweizer Amateurgolf ungewöhnlich, weil die Clubzugehörigkeit sonst fast überall Voraussetzung ist. Für Mitglieder der Nationalteams dient das Turnier zudem als Vorbereitung auf die Team-Europameisterschaften. Die Kategorie Girls wurde vom 7. bis 11. Juli im Golf & Country Club Zürich ausgetragen.
Wie ihr euch als Paar aufstellt
Der Vierer belohnt keine Heldentaten. Er belohnt Schläge, mit denen der Partner etwas anfangen kann. Vier Punkte, die den Unterschied machen:
- Reihenfolge vorher festlegen, nicht am ersten Abschlag auswürfeln. Par 3, blinde Abschläge und das Loch mit dem Wasser links gehören zu der Seite, die damit besser umgeht.
- Auf Position spielen statt auf Länge. 20 Meter kürzer aus dem Fairway ist für den Partner mehr wert als 20 Meter weiter aus dem Rough.
- Nach einem schlechten Schlag zurück ins Spiel legen. Das Wunder aus den Bäumen ist im Vierer fast immer die falsche Entscheidung, weil der Fehler den anderen trifft.
- Reden. Ihr dürft euch beraten, also nutzt das auch. Und spart euch die Entschuldigungen nach jedem misslungenen Schlag, davon wird die Runde nur länger.
Ein angenehmer Nebeneffekt: Mit nur einem Ball pro Seite wird weniger gesucht und weniger gewartet. Eine Vierer-Runde geht spürbar schneller als eine normale Vierergruppe. Wer für den ersten Versuch einen Platz sucht, findet in unseren Bestenlisten die aktuellen Favoriten der Schweizer Golferinnen und Golfer.
Kurz zusammengefasst
- Im Foursome, deutsch Vierer, spielen zwei Partner einen einzigen Ball und schlagen abwechselnd. Geregelt ist das in Regel 22 der Golfregeln.
- Einer schlägt auf allen ungeraden Löchern ab, der andere auf allen geraden. Strafschläge ändern daran nichts.
- Schläger dürfen geteilt werden, solange beide zusammen höchstens 14 dabeihaben. Schlägt der falsche Partner, droht im Zählspiel die Disqualifikation, wenn der Fehler nicht rechtzeitig korrigiert wird.
- Im Ryder Cup werden acht der 28 Punkte in Foursomes vergeben, am Freitag- und Samstagmorgen. 2025 gewann Europa mit 15:13, 2027 geht es in Adare Manor weiter.
- In der Schweiz startet die Interclub-Meisterschaft mit einem Foursomes-Zählspiel, und seit 2026 gibt es zusätzlich eine eigene Swiss Golf Foursome Championship.