Es gibt eine Spielform, bei der ihr euren eigenen Abschlag nie wieder anfasst. Beide schlagen ab, dann tauscht ihr die Bälle und spielt den zweiten Schlag mit dem Ball des Partners. Das ist der Chapman Vierer. Er ist kein Gag für den Clubabend, sondern eine anerkannte Form, die in der offiziellen Regelauslegung von R&A und USGA beschrieben ist. Nur steht sie dort unter einem anderen Namen.
So läuft ein Loch ab
Vier Schritte, immer gleich:
- Beide Partner schlagen ab. Zwei Bälle im Spiel.
- Ihr tauscht. A spielt den zweiten Schlag mit dem Ball von B, B den zweiten Schlag mit dem Ball von A.
- Nach diesen zweiten Schlägen wählt ihr einen der beiden Bälle aus. Der andere wird aufgehoben.
- Ab dem dritten Schlag geht es im Wechsel weiter, wie im klassischen Vierer, bis der Ball im Loch ist.
Beim dritten Schlag gibt es genau eine sinnvolle Reihenfolge: Es spielt der Partner, dessen zweiter Schlag nicht gewählt wurde. Sonst würde derselbe Spieler zweimal hintereinander schlagen, und das wäre kein Wechselspiel mehr. Danach alterniert es sauber bis zum letzten Putt.
Pro Loch schlägt jede Seite also zweimal zwei Schläge und danach abwechselnd einen. Ein Team spielt eine Score, nicht zwei.
Im Regelwerk heisst er Pinehurst Foursomes
Wer im Official Guide to the Rules of Golf nach Chapman sucht, findet nichts. Der R&A führt die Spielform in den Committee Procedures, Abschnitt 9B, und zwar als Variante von Greensomes. Der Name dort lautet Pinehurst Foursomes. Der Wortlaut beschreibt genau den Ablauf oben: beide schlagen ab, tauschen die Bälle, spielen den zweiten Schlag, wählen dann einen Ball und spielen ihn im Wechsel bis ins Loch.
Im selben Abschnitt stehen die Verwandten. Beim normalen Greensome schlagen beide ab, ein Abschlag wird gewählt, und dann spielt der Partner weiter, dessen Ball liegen bleibt. Beim Chinese oder St Andrews Greensome legt ihr vor der Runde fest, wer auf allen ungeraden Löchern den zweiten Schlag macht, unabhängig davon, wessen Abschlag genommen wird. Der Chapman ist die Variante, bei der niemand seinen eigenen Abschlag weiterspielt.
Praktisch heisst das: Wenn im Turnierreglement Pinehurst oder American Foursomes steht, ist Chapman gemeint. Fragt im Zweifel im Sekretariat nach, bevor ihr auf die Runde geht.
Der Mann hinter dem Namen
Richard Davol Chapman, geboren am 23. März 1911, gestorben am 15. November 1978, war einer der besten Amateure seiner Zeit. Er gewann 1940 die U.S. Amateur und 1951 die British Amateur. Im Walker Cup stand er 1947, 1951 und 1953 im Team, jedes Mal auf der Siegerseite. Beim Masters hält er mit 19 Teilnahmen als Amateur einen Rekord, den er sich mit Charles Coe teilt.
In den 1950er-Jahren arbeitete Chapman mit der USGA an einem Handicap-Format für Vierer. Daraus wurde das Chapman System, auch bekannt als Pinehurst oder American Foursomes. Es ist eine der wenigen Spielformen, die nach einer realen Person benannt sind und trotzdem im offiziellen Regelwerk stehen.
Chapman, Foursome, Fourball: der Unterschied in einem Satz
Die drei werden ständig verwechselt. Im Foursome spielt eine Seite von Anfang an einen einzigen Ball, abwechselnd geschlagen. Im Fourball spielt jeder seinen eigenen Ball über 18 Löcher, und pro Loch zählt das bessere Ergebnis. Der Chapman liegt dazwischen: zwei Bälle für zwei Schläge, danach einer.
Das hat einen Effekt, den man erst auf der Runde merkt. Im reinen Foursome kann ein misslungener Abschlag das ganze Loch kippen, weil es keinen zweiten gibt. Im Chapman habt ihr immer zwei Abschläge und zwei zweite Schläge, aus denen ihr wählt. Der Druck auf den einzelnen Schlag ist kleiner. Gleichzeitig bleibt das Wechselspiel ab Schlag drei, also auch das Gefühl, dass man dem Partner etwas Spielbares hinlegen muss.
Deshalb funktioniert Chapman gut bei ungleichen Handicaps. Der schwächere Partner muss nicht jeden zweiten Schlag aus dem Rough retten, sondern liefert einen von zwei Abschlägen und einen von zwei Annäherungen. Wenn einer davon sitzt, hat er geliefert.
Die Handicap-Vorgabe: 60 vom tieferen, 40 vom höheren
Hier wird es konkret. Die USGA gibt für Chapman und Pinehurst eine feste Vorgabe vor: 60 Prozent des tieferen Course Handicaps plus 40 Prozent des höheren. Das Ergebnis wird auf eine ganze Zahl gerundet und gilt für das Team. Wenn ihr nicht sicher seid, was euer Course Handicap überhaupt ist und wie es sich vom Handicap-Index unterscheidet, steht das in unserem Artikel zum Golf Handicap.
Die USGA rechnet es an einem Beispiel vor, auf einem Platz mit Course Rating 72.3, Slope 135 und Par 72. Spieler A hat Index 8.4, daraus wird ein Course Handicap von 10.3. Spieler B hat Index 12.6, daraus werden 15.4. Gerechnet wird 60 Prozent von 10.3, also 6.2, plus 40 Prozent von 15.4, also 6.1. Zusammen 12.3, gerundet 12 Schläge für das Team.
Die Gewichtung ist bewusst so herum. Der bessere Spieler zählt stärker, weil im Chapman fast immer sein Ball weiterlebt. Wer die Formel umdreht und dem höheren Handicap 60 Prozent gibt, verschenkt dem Team Schläge, die es nicht verdient hat. Das ist der häufigste Fehler, wenn ein Club die Spielform zum ersten Mal ausschreibt.
Wo sich die Spielform in der Schweiz lohnt
Ein Blick in unsere Datenbank: In der Schweiz sind 64 Achtzehn-Loch-Layouts erfasst, davon stehen 59 auf Par 72. Die Ausnahmen sind selten. Lugano in Magliaso ist der einzige Achtzehner mit Par 70 und liegt bei 4.5 Sternen aus 315 Google-Bewertungen.
Warum das für Chapman zählt: Auf einem Par 3 schlagen beide ab, dann tauscht ihr, und der zweite Schlag ist häufig schon ein Chip oder ein Putt. Der Wechsel-Teil des Lochs ist dann sehr kurz. Ein Platz mit weniger Par 5 und mehr kurzen Löchern spielt sich im Chapman also anders als ein langer Par 72. Ein Blick auf die Scorekarte vor der Runde lohnt sich.
Und der praktische Vorteil: Ab dem dritten Schlag ist nur noch ein Ball im Spiel. Es wird weniger gesucht, weniger gewartet, und eine Zweiergruppe kommt zügig durch. Auf einem Platz wie Les Bois im Jura, wo an schönen Wochenenden viel los ist, ist das ein echtes Argument. Wer noch nach einer Anlage für den ersten Versuch sucht, findet in unseren Bestenlisten die aktuellen Favoriten aus den Bewertungen.
Wie ihr euch als Paar aufstellt
- Am Abschlag darf jeder voll ausholen. Ihr habt zwei Versuche, also nimmt einer von euch das Risiko und der andere spielt sicher ins Fairway. Absprechen, wer welche Rolle hat, und zwar vor dem Schlag.
- Beim zweiten Schlag umdrehen. Wer den besseren Abschlag des Partners in der Hand hat, spielt konservativ auf die Mitte des Grüns. Wer aus dem Rough kommt, darf angreifen, weil dieser Ball ohnehin der Ersatz ist.
- Beim Auswählen nicht nur auf die Distanz schauen. Der Ball, der acht Meter weiter weg liegt, aber die bessere Puttlinie hat, ist oft die klügere Wahl.
- Ab Schlag drei denkt ihr wie im Vierer: Position vor Länge. Der Partner muss mit dem etwas anfangen können, was ihr hinterlasst.
- Die Reihenfolge nach der Ballwahl laut ansagen. Wer im Chapman als Falscher schlägt, hat den gleichen Ärger wie im normalen Vierer.
Wenn ihr ein Firmenturnier plant und die Gruppe sehr gemischt ist, vom Anfänger bis zum Single-Handicap, ist der Chapman trotzdem oft eine Stufe zu anspruchsvoll. Dafür gibt es den Scramble, bei dem alle jeden Schlag von der besten Position spielen. Chapman ist die Form für Paare, die beide den Ball zuverlässig treffen.
Kurz zusammengefasst
- Im Chapman Vierer schlagen beide ab, tauschen die Bälle für den zweiten Schlag, wählen danach einen Ball aus und spielen ihn im Wechsel bis ins Loch.
- Im Regelwerk von R&A und USGA heisst die Form Pinehurst Foursomes und steht in den Committee Procedures, Abschnitt 9B, als Variante von Greensomes.
- Den dritten Schlag macht der Partner, dessen zweiter Schlag nicht gewählt wurde. Danach geht es im Wechsel weiter.
- Die USGA-Vorgabe lautet 60 Prozent des tieferen Course Handicaps plus 40 Prozent des höheren, gerundet auf eine ganze Zahl.
- Namensgeber ist Dick Chapman, U.S.-Amateur-Sieger 1940 und British-Amateur-Sieger 1951, der die Form in den 1950er-Jahren zusammen mit der USGA ausarbeitete.