Birdie und Eagle hört man auf fast jeder Runde. Ein Albatros fällt vielleicht ein Mal im ganzen Golferleben, und einen Condor sehen die meisten nie. Beide stehen für die tiefsten Zahlen, die auf einem einzelnen Loch überhaupt gehen. Hier steht, was sie bedeuten, wie selten sie wirklich sind und welche Fälle tatsächlich belegt sind.

Was ein Albatros ist

Ein Albatros ist ein Loch, das du drei Schläge unter Par spielst. Auf einem Par 5 heisst das: zwei Schläge bis in den Becher. Auf einem Par 4 wäre es ein Hole-in-One, also der Abschlag direkt ins Loch. In den USA nennt man denselben Schlag Double Eagle, weil ein Eagle zwei unter Par ist und der Albatros noch einen drauflegt. Im deutschsprachigen und britischen Golf sagt man Albatros. Gemeint ist dasselbe.

Warum Golfer ihre Ergebnisse überhaupt nach Vögeln benennen, steht in Birdie, Eagle, Bogey.

Woher der Name kommt

Der Begriff passt zur Logik der Reihe: Birdie, Eagle, Albatros — der Vogel wird grösser, je besser der Schlag. In gedruckter Form taucht Albatros etwa ab 1929 auf. Amerikaner blieben lange beim nüchternen Double Eagle. Berühmt wurde der Schlag durch Gene Sarazen. Beim Masters 1935 in Augusta holte er am 15. Loch, einem Par 5, den Ball aus rund 235 Yard mit dem Holz 4 direkt ins Loch. Eine 2 auf der Karte, drei Schläge Rückstand mit einem Schwung aufgeholt. Am Tag darauf gewann er das Stechen gegen Craig Wood. Der Schlag ging als shot heard round the world in die Geschichte ein und machte das Masters bekannt.

Wie selten ein Albatros ist

Sehr selten. Wie selten genau, darüber streiten die Statistiker. Die Schätzungen reichen von 1 zu einer Million bis 1 zu sechs Millionen pro Versuch. Dean Knuth, früher bei der USGA für das Handicap-System zuständig, nennt rund 1 zu einer Million. Zum Vergleich: Ein Hole-in-One liegt auf der PGA Tour bei etwa 1 zu 12'500. Ein Albatros ist also grob 500 Mal seltener als ein Ass. In den USA fallen pro Jahr rund 40'000 Hole-in-Ones, aber nur ein paar Hundert Albatrosse.

Der Condor: vier unter Par

Ein Condor ist vier Schläge unter Par. In der Praxis heisst das fast immer ein Hole-in-One auf einem Par 5. Der Abschlag muss also weit über 400 Meter fliegen und rollen und im Loch landen. Das geht nur mit einer besonderen Kombination: ein stark abknickendes Dogleg, das man abkürzen kann, harter, trockener Boden, an dem der Ball ewig ausrollt, dazu oft Höhenlage mit dünner Luft und Rückenwind. Auf einem geraden Par 5 ist ein Condor praktisch unmöglich.

Die belegten Condors

Weltweit sind nur eine Handvoll Condors dokumentiert, verteilt über gut 60 Jahre. Die bekannten Fälle:

  • Larry Bruce, 1962, Hope Country Club in Arkansas. Er kürzte das Dogleg am 5. Loch ab. Gilt als erster bekannter Condor.
  • Dick Hogan, 1973, Piedmont Crescent in North Carolina. Ein 456 Yard langes Par 5, der Boden knochentrocken. Der Ball hörte einfach nicht auf zu rollen, sagte er später.
  • Shaun Lynch, 1995, Teign Valley in England. Er spielte am 496 Yard langen 17. Loch bewusst mit einem Eisen 3 über die Ecke. Der Club hängte eine Gedenktafel auf.
  • Mike Crean, 2002, Green Valley Ranch in Denver. 517 Yard, im US Golf Register als längstes Hole-in-One der Geschichte geführt. Denver liegt hoch, die Luft ist dünn, dazu kam kräftiger Rückenwind.
  • Jack Bartlett, 2007, Wentworth Falls in Australien. Mit 16 Jahren der jüngste bekannte Condor-Spieler.
  • Kevin Pon, 2020, Lake Chabot in Kalifornien. Der einzige Condor ohne Ass: Das 18. Loch ist ein seltenes Par 6, er brauchte zwei Schläge. Und der einzige Fall, den unabhängige Zeugen direkt am Grün gesehen haben.

Warum es auf der Tour keinen Condor gibt

Kein einziger Condor ist je in einem Profiturnier gefallen. Das klingt paradox, hat aber einen einfachen Grund. Profis spielen auf langen, fair angelegten Meisterschaftsplätzen. Dort gibt es kaum Par 5, die man mit einem Schlag erreicht, und schon gar keine Abkürzung über ein steiles Dogleg. Ein Condor braucht genau die Bedingungen, die auf einem Turnierplatz fehlen. Deshalb entstehen die wenigen Fälle im Clubgolf, oft mit viel Glück und dem richtigen Boden.

Und auf Schweizer Plätzen?

Auf einem geraden Schweizer Par 5 wirst du keinen Condor sehen. Ein Albatros dagegen ist überall dort denkbar, wo ein erreichbares Par 5 liegt. Plätze wie Sempach im Kanton Luzern oder Otelfingen bei Zürich haben Par-72-Layouts mit mehreren Par 5. Für die Zwei aus dem Fairway braucht es trotzdem einen langen, präzisen zweiten Schlag und danach den Putt oder Chip, der auch fällt. Realistischer als jeder Albatros ist für die meisten das saubere Par, und genau daran misst sich am Ende das Handicap.

Kurz zusammengefasst

  • Ein Albatros ist drei unter Par: eine 2 auf dem Par 5 oder ein Ass auf dem Par 4.
  • Ein Condor ist vier unter Par, fast immer ein Hole-in-One auf einem Par 5.
  • Der Albatros gilt als etwa 1 zu einer Million, ein Hole-in-One als rund 1 zu 12'500.
  • Weltweit sind nur eine Handvoll Condors belegt, keiner davon in einem Profiturnier.
  • Der berühmteste Albatros: Gene Sarazen beim Masters 1935 in Augusta.