Ein Golfturnier ohne Preisgeld, bei dem erwachsene Profis auf dem Grün in Tränen ausbrechen. Kürzer kann man den Ryder Cup kaum beschreiben. Alle zwei Jahre treten zwölf Spieler aus Europa gegen zwölf aus den USA an, drei Tage lang, um einen goldenen Pokal, für den es keinen Scheck gibt. Wer zum ersten Mal zuschaut, versteht meistens die Stimmung sofort und das Punktesystem gar nicht. Also der Reihe nach.

Zwölf gegen zwölf, drei Tage, 28 Punkte

Der Ryder Cup ist Matchplay. Nicht die Gesamtzahl der Schläge entscheidet, sondern wer mehr Löcher gewinnt. Ein gewonnenes Match bringt einen Punkt, ein Unentschieden nach 18 Löchern je einen halben. Den Unterschied zum normalen Zählspiel haben wir in Matchplay gegen Zählspiel auseinandergenommen.

Seit 1979 wird nach immer demselben Muster gespielt:

  • Freitag und Samstag: je vier Foursomes und vier Fourballs, zusammen 16 Punkte.
  • Sonntag: zwölf Einzel, also zwölf Punkte.
  • Macht 28 Punkte. Wer 14,5 davon holt, gewinnt.

Ein Detail, das viele Zuschauer erst spät begreifen: Bei 14:14 wandert der Pokal nicht. Der Titelverteidiger behält ihn. Der Herausforderer braucht also den halben Punkt mehr, der Verteidiger kommt mit einem Remis durch.

Kein Spieler bestreitet alle Matches. Maximal fünf sind möglich: zwei Foursomes, zwei Fourballs, ein Einzel. Wer wann spielt, entscheidet der Kapitän. Diese Entscheidung wird nach jeder Niederlage öffentlich zerlegt, und zwar von allen gleichzeitig.

Foursome und Fourball: der Teil, der Golfer verwirrt

Im Foursome teilen sich zwei Partner einen einzigen Ball und schlagen abwechselnd. Ein schlechter Schlag ist damit sofort das Problem des anderen. Das ist die nervöseste Spielform im Golf, und im Ryder Cup entscheidet sie oft die ersten beiden Tage. Wie das genau abläuft, steht in Foursome im Golf.

Im Fourball spielt jeder seinen eigenen Ball, und pro Loch zählt das bessere Ergebnis der beiden. Das ist deutlich entspannter: Einer kann angreifen, während der andere sicher spielt. Die Abgrenzung haben wir in Fourball und Bestball beschrieben. Merksatz: ein Ball pro Seite ist Foursome, zwei Bälle pro Seite sind Fourball.

Am Sonntag fällt das alles weg. Dann stehen zwölf Einzel gleichzeitig auf dem Platz, einer gegen einen, und niemand kann sich mehr hinter einem Partner verstecken.

Von 1927 bis zum Team Europa

Der erste Ryder Cup wurde am 3. und 4. Juni 1927 im Worcester Country Club in Massachusetts gespielt. Acht Amerikaner gegen acht Briten, vier Foursomes und acht Einzel, zwölf Punkte insgesamt. Die USA gewannen 9,5:2,5. Samuel Ryder, der englische Samenhändler, der die Trophäe gestiftet hatte, war selbst nicht dabei. Er war zu krank für die Reise.

Danach wurde am Format immer wieder geschraubt. Bis 1959 gingen die Matches über 36 Löcher, ab 1961 nur noch über 18. 1963 kam der dritte Spieltag dazu und mit ihm die ersten Fourball-Matches. 1969 wuchsen die Teams von zehn auf zwölf Spieler.

Die wichtigste Änderung kam 1979. Bis dahin trat Grossbritannien und Irland an, und verlor fast immer. Ab 1979 durfte ganz Kontinentaleuropa mitspielen. Die ersten beiden waren die Spanier Seve Ballesteros und Antonio Garrido. Besser wurde es nicht sofort: Die USA gewannen 17:11. Aber das Fundament stand, und mit ihm das 28-Punkte-Format, das bis heute gilt.

Die Momente, die alle kennen

1969 in Royal Birkdale stand es 15,5:15,5, letztes Match, letztes Loch. Jack Nicklaus lochte seinen Birdie-Putt und hob danach den Marker von Tony Jacklin auf. Er schenkte dem Gegner den Putt, den dieser zum Ausgleich brauchte. Endstand 16:16, die USA behielten als Titelverteidiger den Pokal. Diese Geste ging als «Concession» in die Golfgeschichte ein. Im eigenen Team fanden sie damals nicht alle gut.

2012 in Medinah lag Europa nach zwei Tagen 10:4 zurück und gewann trotzdem. In den USA heisst das bis heute «Meltdown at Medinah», in Europa «Miracle at Medinah». Beide Namen beschreiben dasselbe Wochenende.

2025 in Bethpage Black lief es umgekehrt. Europa führte nach zwei Tagen 11,5:4,5, brach am Sonntag in den Einzeln fast ein und rettete den Sieg mit 15:13. Shane Lowry lochte am Schlussloch einen Birdie-Putt zum halben Punkt gegen Russell Henley, und genau dieser halbe Punkt reichte. Es war der erste europäische Auswärtssieg seit Medinah 2012.

Nebenbei: Seit dem Jahr 2000 hat Europa neun der zwölf ausgetragenen Ryder Cups gewonnen. Das Bild vom übermächtigen US-Team stammt aus einer anderen Epoche.

Kein Preisgeld, und warum das 2025 zum Thema wurde

Bei den vier Majors geht es um Millionen. Beim Ryder Cup bekommen die Spieler kein Preisgeld. Genau das ist der Grund, warum das Turnier emotional völlig anders läuft als eine normale Tour-Woche: Es gibt nichts zu verdienen und alles zu verlieren.

2025 wurde diese Regel zum ersten Mal aufgeweicht. Die PGA of America stellte jedem US-Spieler 500'000 Dollar zur Verfügung: 300'000 gingen an eine Wohltätigkeitsorganisation nach Wahl des Spielers, 200'000 waren erstmals ein persönliches Honorar. Das europäische Team erhielt nichts. Die Debatte darüber begleitete die ganze Saison, und viele US-Spieler kündigten an, auch den persönlichen Anteil zu spenden.

Und die Schweiz?

Kurz: Ein Schweizer stand noch nie im europäischen Team. In der Liste aller Spieler, die seit 1927 für Grossbritannien, Irland oder Europa angetreten sind, taucht kein Schweizer Name auf. Vertreten sind vor allem England, Schottland, Spanien, Irland und Schweden, dazu Nordirland, Wales, Italien, Frankreich, Deutschland, Dänemark und Belgien, inzwischen auch Norwegen und Österreich.

Das liegt nicht an den Plätzen, sondern an der Grösse der Szene. Ein Land mit gut hundert Anlagen bringt statistisch seltener einen Spieler in die Weltspitze als England mit seinen Hunderten.

Europäische Spitzenspieler live sehen kannst du trotzdem, ohne weit zu fahren. Das Omega European Masters der DP World Tour wird seit 1939 in Crans-sur-Sierre gespielt und trägt seit 1983 diesen Namen. Der Platz im Wallis hat einen 18-Loch-Kurs mit Par 72 und dazu eine 9-Loch-Anlage mit Par 32. In Bad Ragaz läuft seit 1997 jeden Sommer das Swiss Seniors Open, das älteste Turnier der Legends Tour, auf dem 18-Loch-Championship-Platz mit Par 72. Welche Turniere in der Schweiz sonst noch für Zuschauer offen sind, steht in Golfturniere in der Schweiz.

Die Formate selbst musst du ohnehin nicht im Fernsehen bewundern. Fourball und Foursome stehen in praktisch jedem Schweizer Clubkalender. Der Unterschied zum Ryder Cup ist vor allem die Zuschauerzahl.

Der nächste Ryder Cup: 2027 in Adare Manor

Der 46. Ryder Cup findet vom 17. bis 19. September 2027 in Adare Manor im irischen County Limerick statt. Es ist der erste in Irland seit 2006. Europa geht als Titelverteidiger ins Turnier und käme mit 14 Punkten davon, die USA bräuchten 14,5. Wer sich die Reise überlegt: Tickets werden erfahrungsgemäss lange im Voraus verlost, die Details nennt der Veranstalter auf seiner eigenen Website.

Kurz zusammengefasst

  • 28 Punkte sind zu vergeben, 14,5 bringen den Sieg. Bei 14:14 behält der Titelverteidiger den Pokal.
  • Gespielt wird Matchplay: acht Foursomes, acht Fourballs und zwölf Einzel auf drei Tage verteilt.
  • Das heutige Format gilt seit 1979, dem Jahr, in dem mit Ballesteros und Garrido erstmals Kontinentaleuropäer antraten.
  • Preisgeld gibt es keines. 2025 stellte die PGA of America ihren Spielern erstmals je 500'000 Dollar bereit, davon 300'000 für wohltätige Zwecke.
  • Seit 2000 gewann Europa neun von zwölf Ausgaben, zuletzt 15:13 in Bethpage Black. Weiter geht es am 17. September 2027 in Adare Manor.

Und wenn dich das Zuschauen auf den Platz treibt: In unseren Bestenlisten siehst du direkt aus der Datenbank, welche Schweizer Anlagen am besten bewertet sind und wo die Runde am wenigsten kostet.