Ich habe einmal an einem Julinachmittag um zwei Uhr abgeschlagen. Ab Loch zwölf habe ich mich nur noch auf den nächsten Schatten konzentriert, nicht mehr auf den nächsten Schlag. Das Scorecard-Ergebnis war entsprechend. Golfen bei Hitze funktioniert gut, man muss die Runde nur anders planen als im Mai. Hier sind die Punkte, die wirklich etwas ändern.
Ab 30 Grad ist es offiziell ein Hitzetag
MeteoSchweiz zieht eine klare Grenze: Ein Hitzetag ist ein Tag, an dem das Tagesmaximum 30 Grad oder mehr erreicht. Das ist keine gefühlte Schwelle, sondern ein Klimaindex.
Wie warm es auf einem offenen Fairway ohne Baum tatsächlich wird, misst allerdings niemand systematisch. Wir haben dazu keine Zahlen, also behaupten wir auch keine. Fest steht nur: Wer vier Stunden lang zu Fuss und ohne Schatten unterwegs ist, erlebt einen 32-Grad-Tag anders als jemand im Büro.
Die Startzeit ist der grösste Hebel
Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt, anstrengende körperliche Tätigkeiten zur heissesten Tageszeit zu meiden. Konkret nennt das BAG die Mittagssonne von 11 bis 15 Uhr und die hohen Temperaturen von 15 bis 17 Uhr, und rät, solche Aktivitäten in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden zu verlegen.
Für eine 18-Loch-Runde von rund vier Stunden heisst das: entweder vor neun Uhr starten oder erst gegen Abend. Die frühe Variante ist auf vielen Anlagen die beliebteste Startzeit und entsprechend früh ausgebucht. Die späte Variante ist meist die günstigere.
Ein Beispiel aus unseren Daten: Sierre im Wallis verlangt ab 14 Uhr CHF 80 für 18 Löcher, ab 17 Uhr noch CHF 60. Im Hochsommer reicht das Licht im Rhonetal locker für eine volle Runde. Kühler ist es dann ausserdem. Welche Anlagen solche Abendtarife führen und ab wann sie gelten, steht in Sunset-Greenfee in der Schweiz.
Neun Löcher sind an Hitzetagen keine halbe Runde
38 der 108 Schweizer Anlagen in unserer Datenbank haben einen Neun-Loch-Platz im Angebot. Neun Löcher dauern rund zwei Stunden statt vier. Das ist an einem 32-Grad-Tag kein Kompromiss, sondern schlicht die Runde, die man am Ende auch geniesst. Alle Anlagen mit ihren Layouts findest du in der Platzsuche.
Trinken und Sonnenschutz: was das BAG konkret sagt
Beim Trinken nennt das BAG eine Zahl: regelmässig und mindestens 1,5 Liter pro Tag, dazu der Verzicht auf alkoholische oder gesüsste Getränke. Das Bier nach Loch neun ist an einem Hitzetag also die schlechteste aller Ideen, so gern man es hätte.
Für unterwegs empfiehlt das Amt vier Dinge, die sich eins zu eins auf eine Golfrunde übertragen lassen:
- Pralle Sonne meiden und sich im Schatten aufhalten, wo es geht.
- Haut mit Kleidung bedecken, dazu Kopfbedeckung und eine Sonnenbrille mit UV-Schutz.
- Sonnenschutzmittel mit Faktor 30 oder höher und breitem Spektrum, grosszügig und über den Tag verteilt nachlegen.
- Genügend Getränke mitnehmen.
Der letzte Punkt ist der, an dem die meisten scheitern. Ein halber Liter im Bag reicht für neun Löcher, nicht für achtzehn. 91 der 108 Anlagen bei uns haben ein Restaurant, aber das steht am Clubhaus und nicht an Loch sieben. Plan den Nachschub ein, bevor du losgehst.
Wenn dir schlecht wird, ist die Runde vorbei
Das BAG listet als mögliche hitzebedingte Symptome unter anderem Schwäche und Müdigkeit, Schwindel und Verwirrtheit, Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe, trockenen Mund, Übelkeit und einen erhöhten Puls. Wer das an sich bemerkt, soll laut BAG einen kühlen oder schattigen Ort aufsuchen, sich hinlegen, den Körper mit feuchten Tüchern kühlen und frisches Wasser trinken. Tritt nach kurzer Zeit keine Besserung ein, rät das Amt, unverzüglich eine Ärztin oder einen Arzt zu rufen oder die 144 zu wählen.
Auf dem Platz heisst das: abbrechen. Vier verbleibende Löcher sind kein Argument. Kein Flight der Welt nimmt einem das übel.
Bergplätze: rund 0,65 Grad pro 100 Höhenmeter
Die eleganteste Lösung für einen Hitzetag ist, ihm auszuweichen. Laut MeteoSchweiz nimmt die Lufttemperatur im Mittel um etwa 0,65 Grad pro 100 Höhenmeter ab. Bei sehr trockener Luft, etwa in einer Hochdrucklage, kann es fast ein Grad pro 100 Meter sein.
Rechne das einmal durch. Zwischen einem Mittellandplatz auf rund 500 Metern und Arosa auf rund 1800 Metern liegen 1300 Höhenmeter. Im Mittel sind das gut acht Grad. Aus 32 Grad im Flachland werden so rechnerisch 24 in den Bergen. Das ist ein Mittelwert und keine Wettervorhersage, aber die Grössenordnung stimmt, und genau sie merkt man beim Gehen.
Noch höher liegt Riederalp im Wallis mit knapp 2000 Metern, ein Neun-Loch-Platz mit Par 36. Praktischer Nebeneffekt: Die Riederalp ist autofrei, du kommst mit der Seilbahn hoch und lässt das aufgeheizte Auto im Tal. Preislich am interessantesten ist Lenzerheide, wo das Greenfee bei CHF 60 startet, für einen 18-Loch-Bergplatz ungewöhnlich günstig. Einen Überblick über die Bündner Anlagen gibt unsere Kantonsseite Graubünden.
Der Haken an der Höhe
Bergplätze sind genau dann am vollsten und am teuersten, wenn es im Flachland heiss ist. Die Saison ist kurz, üblicherweise Juni bis September, auf der Riederalp eher Juli bis September. Wer im Hochsommer spontan hochfahren will, findet oft keine Startzeit mehr. Welcher Platz wann überhaupt offen ist, steht in Die Schweizer Golfsaison.
Dazu kommt, dass die Höhe dein Spiel verändert. In der dünnen Luft fliegt der Ball spürbar weiter, auf Plätzen wie Davos auf rund 1560 Metern nimmst du besser einen Schläger weniger, als dein Gefühl sagt. Und weil die Anreise mit Auto oder Bahn dauert, stehst du oft steif am ersten Tee. Zehn Minuten Aufwärmen lohnen sich dort mehr als anderswo.
Ein Wort zu den Bewertungen, weil danach oft gefragt wird: Arosa steht bei 4,8 Sternen, allerdings aus nur 24 Google-Bewertungen. Das ist ein hübscher Wert auf sehr dünner Basis. Lenzerheide kommt mit 4,7 Sternen aus 105 Bewertungen, und das ist die belastbarere Zahl.
Kurz zusammengefasst
- Ein Hitzetag ist laut MeteoSchweiz ein Tag mit einem Tagesmaximum von 30 Grad oder mehr.
- Das BAG rät, Anstrengung zwischen 11 und 17 Uhr zu meiden. Für Golf heisst das: vor neun Uhr starten oder am Abend, wo Sunset-Tarife die Runde zusätzlich günstiger machen.
- Mindestens 1,5 Liter pro Tag, kein Alkohol, kein Süssgetränk, Kopfbedeckung, UV-Sonnenbrille und Sonnenschutz ab Faktor 30 — so die Empfehlung des BAG.
- 38 der 108 Schweizer Anlagen bieten neun Löcher. Zwei Stunden statt vier sind an Hitzetagen die vernünftigere Runde.
- Rund 0,65 Grad pro 100 Höhenmeter: 1300 Meter Höhenunterschied sind im Mittel gut acht Grad weniger. Bergplätze sind dafür kürzer offen, voller und oft teurer.
Welche Plätze aktuell am besten bewertet sind und wo die Runde am wenigsten kostet, siehst du jederzeit tagesaktuell in unseren Bestenlisten. Und wenn dich interessiert, wie weit die Schweizer Höhenskala nach oben reicht: Die höchstgelegenen Golfplätze der Schweiz. Greenfees ändern sich saisonal, unsere Angaben sind Ab-Preise. Verbindlich ist immer der Club.