Es gibt einen Schlag im Golf, über den kaum jemand spricht. Nicht weil er selten wäre. Sondern weil viele Spieler abergläubisch sind. Der Ball schiesst fast im rechten Winkel zur Seite weg, keine zwanzig Meter weit, und in der Gruppe sagt niemand ein Wort. Das ist der Shank. Er ist kein Zeichen von Unvermögen, und er hat eine ziemlich klare mechanische Ursache.
Was beim Shank tatsächlich passiert
Ein Eisen hat eine Schlagfläche, und ganz innen daneben die Hosel. Das ist die runde Hülse, in der der Schaft im Schlägerkopf steckt. Beim Shank trifft der Ball genau diese Hosel statt der Fläche.
Weil die Hosel rund ist und nicht flach, springt der Ball unkontrolliert davon. Für Rechtshänder schiesst er scharf nach rechts weg, meistens flach und kurz. Für Linkshänder spiegelverkehrt nach links.
Der Unterschied zum Slice ist wichtig, weil beide oft verwechselt werden. Beim Slice trifft der Ball die Fläche und biegt danach in einer Kurve ab, weil er sich dreht. Beim Shank gibt es keine Kurve. Der Ball ist ab der ersten Millisekunde in der falschen Richtung. Wie der Slice entsteht, steht in Slice und Hook.
Das Wort, das auf dem Platz keiner ausspricht
Der Shank hat einen Ruf. In englischsprachigen Golfkreisen gilt er als ansteckend: Wer das Wort ausspricht, holt ihn sich angeblich selbst. Deshalb gibt es eine ganze Sammlung von Ersatzbegriffen. Hosel Rocket, Socket Rocket oder schlicht The S-Word. In Grossbritannien heisst derselbe Fehltreffer oft einfach Socket.
Ansteckend ist er natürlich nicht. Aber der Aberglaube trifft etwas Richtiges: Der Shank sitzt im Kopf. Wer einen hatte, greift den nächsten Schlag verkrampft an, und verkrampft trifft man selten besser. Genau deshalb kommen Shanks gern in Serie.
Die drei häufigsten Ursachen
- Das Gewicht wandert nach vorne auf die Fussballen. Im Abschwung kippt der Oberkörper Richtung Ball. Damit rückt der ganze Schlägerkopf ein paar Zentimeter weiter nach aussen, und die Hosel landet dort, wo vorher die Fläche war. Das ist die mit Abstand häufigste Ursache.
- Die Ansprechposition ist zu eng. Wer zu nah am Ball steht, hat von Anfang an keinen Puffer. Der Schwung wird steiler und aufrechter, und dann reicht schon ein kleiner Fehler.
- Die Schwungbahn kommt von aussen. Kommt der Schläger zu steil und quer von aussen in den Ball, wandert der Treffpunkt Richtung Hosel. Das ist übrigens dieselbe Bahn, die auch den Slice erzeugt. Der Shank ist sozusagen die extreme Version davon.
Warum der Shank ausgerechnet beim Wedge kommt
Auffällig ist, dass Shanks besonders oft bei kurzen Schlägen auftreten. Beim Pitch, beim Chip, beim halben Wedge. Dafür gibt es zwei Gründe.
Erstens ist der Schläger kürzer. Du stehst näher am Ball, und der Abstand zwischen Hosel und Ball ist von vornherein kleiner. Zweitens sind das genau die Schläge, bei denen man zu steuern versucht statt zu schwingen. Beim Driver denkt kaum jemand über den Treffpunkt nach. Beim 30-Meter-Pitch schon. Und Nachdenken macht die Bewegung kürzer, steifer und steiler.
Vier Übungen, die wirklich etwas bringen
- Handtuch unter die Zehen. Ein zusammengerolltes Handtuch unter die Fussspitzen legen, die Fersen bleiben flach am Boden. Wer jetzt nach vorne kippt, spürt es sofort. Das holt das Gewicht zurück in die Mitte des Fusses.
- Ein Tor bauen. Zwei Übungsstangen oder zwei leere Ballkörbe so hinlegen, dass dein Ball dazwischen liegt, aussen etwa eine Schlägerkopfbreite Platz. Ziel ist, durchzuschwingen, ohne das äussere Objekt zu berühren. Der Fehler wird sichtbar, bevor der Ball überhaupt wegfliegt.
- Bewusst die Schlägerspitze treffen. Klingt verkehrt, funktioniert aber. Ziel für ein paar Bälle absichtlich auf die äussere Kante der Fläche. Der Treffpunkt wandert dann von selbst zurück in die Mitte, weil dein Gehirn die Korrektur übernimmt.
- Einen kleinen Schritt zurück. Manchmal reicht es, beim Ansprechen zwei bis drei Zentimeter weiter weg vom Ball zu stehen. Kostet nichts und lässt sich in dreissig Sekunden testen.
Keine dieser Übungen gehört auf den Platz. Mitten in einer Runde an der Technik zu schrauben, macht es fast immer schlimmer. Wenn der Shank während einer Runde auftaucht, hilft am besten ein simpler Notfallplan: einen Schläger mehr nehmen, halb so hart schwingen, Ball ins Spiel bringen. Repariert wird später.
Wo du das in der Schweiz üben kannst
In unserer Datenbank stehen 108 Schweizer Anlagen. Alle 90 Golfplätze darunter haben eine Driving Range. Dazu kommen 6 reine Driving Ranges und 6 Indoor-Anlagen. Das sind Orte, an denen du ohne Startzeit, ohne Clubausweis und ohne Publikum an einem Fehler arbeiten kannst.
Zwei Beispiele aus dem Raum Zürich und Aargau: Albis-Golf in Wettswil ist eine reine Übungsanlage und kommt bei Google auf 4.6 Sterne aus 167 Bewertungen. Golf Mägenwil im Aargau liegt bei 4.2 aus 96 Bewertungen. Beide Zahlen stammen aus unserer Datenbank und ändern sich laufend. Die jeweils aktuellen Ranglisten stehen in den Bestenlisten.
Bei den Indoor-Anlagen ist die Datenlage deutlich dünner. Earlybirdie in Chur steht bei 5.0 Sternen, allerdings aus sechs Bewertungen. Das ist keine Aussage, das ist Zufall. Bei so kleinen Zahlen bringt der Schnitt nichts, da hilft nur hinfahren und selbst schauen. Der Vorteil von Indoor bleibt trotzdem: Im Winter ist das oft die einzige Möglichkeit, überhaupt zu schlagen.
Wann du einen Pro dazuholst
Ein einzelner Shank ist nichts. Der passiert auch Spielern mit einstelligem Handicap. Drei in einer Runde sind ein Muster, und Muster jagt man nicht allein hinterher. Ein Pro sieht in zehn Minuten, ob das Gewicht, der Abstand oder die Bahn das Problem ist. Das ist am Anfang das am besten investierte Geld überhaupt. Was Einsteiger sonst noch zu spät lernen, steht in Golf-Hacks für Anfänger.
Und noch etwas, das mir selbst geholfen hat: Sag das Wort ruhig laut. Der Aberglaube macht aus einem mechanischen Fehltreffer ein Tabu, und Tabus repariert man schlecht. Ein Shank ist ein Treffer an der falschen Stelle des Schlägers. Mehr nicht.
Kurz zusammengefasst
- Beim Shank trifft der Ball die Hosel statt der Schlagfläche. Für Rechtshänder schiesst er scharf nach rechts weg, für Linkshänder nach links.
- Anders als beim Slice fliegt der Ball keine Kurve. Er ist sofort in der falschen Richtung.
- Häufigste Ursachen: Gewicht kippt auf die Fussballen, zu enge Ansprechposition, Schwungbahn von aussen.
- Kurze Schläge sind anfälliger, weil du näher am Ball stehst und mehr steuerst als schwingst.
- Geübt wird auf der Range, nicht auf dem Platz. Alle 90 Schweizer Golfplätze in unserer Datenbank haben eine, dazu kommen 6 reine Ranges und 6 Indoor-Anlagen.