Von November bis in den Frühling steht Golf in der Schweiz weitgehend still. Die Plätze sind zu, der Boden ist gefroren. Wer trotzdem spielen will, fährt nach Süden. Und in Spanien warten nicht irgendwelche Plätze, sondern ein paar der grössten Klassiker Europas. Manche sind über sechzig Jahre alt. Einer hat die Ryder Cup nach Kontinentaleuropa geholt. Hier sind die Plätze, die man kennen sollte, und ihre Geschichte.

Sotogrande: wo der moderne Golf in Europa begann

Fangen wir dort an, wo alles anfing. Der Real Club de Golf Sotogrande liegt in Andalusien, nahe der Küste zwischen Málaga und Gibraltar. Er wurde 1964 eröffnet und war der erste europäische Platz, den Robert Trent Jones senior entwarf. Jones gilt als einer der einflussreichsten Golfarchitekten des 20. Jahrhunderts. Sotogrande war sein Auftakt auf dem Kontinent.

Der Par-72-Platz misst rund 6500 Meter und liegt nur etwa 150 Meter vom Mittelmeer entfernt. Zwei Dinge machten ihn technisch zum Vorreiter: Er war der erste Platz Europas, der mit Bermuda-419-Gras angesät wurde, und der erste mit vollautomatischer Bewässerung. Jones selbst zählte Sotogrande später zu seinen fünf liebsten Entwürfen von über 500 Plätzen weltweit.

Valderrama: der Platz, der die Ryder Cup holte

Nur wenige Kilometer weiter liegt Valderrama, oft als bester Platz Spaniens bezeichnet. Seine Geschichte ist verschlungen. In den 1970ern legte Robert Trent Jones senior das Gelände als Platz namens Los Aves an. 1985 kaufte der Geschäftsmann Jaime Ortiz-Patiño das Areal und baute es zum heutigen Valderrama um.

1997 war Valderrama Gastgeber der Ryder Cup. Es war das erste Mal, dass dieser Wettkampf ausserhalb der USA und Grossbritanniens stattfand. Schon ab 1988 hatte der Platz den Volvo Masters ausgetragen, das damalige Saisonfinale der European Tour. Wer Golfgeschichte sehen will, kommt an Valderrama nicht vorbei.

Las Brisas und die Costa del Sol

Die Costa del Sol trägt ihren Spitznamen Costa del Golf zu Recht. Zwischen Málaga und Gibraltar reihen sich die Plätze dicht aneinander. Einer der ältesten und bekanntesten ist der Real Club de Golf Las Brisas bei Marbella. Er entstand 1968 im Auftrag des Bauunternehmers José Banús und trug zuerst den Namen Nueva Andalucía. Den Entwurf lieferte wieder Robert Trent Jones senior. Man erkennt seine Handschrift: viel Wasser, klar geformte Grüns, kein Meter ist zufällig.

Nicht alle Klassiker liegen im Süden. Bei Valencia, mitten im Naturpark El Saler, liegt der Golfplatz des Parador de El Saler. Er wurde 1968 vom spanischen Architekten Javier Arana gebaut, den viele als den grössten Golfarchitekten des Landes bezeichnen.

El Saler ist besonders, weil er zwei Welten verbindet. Ein Teil führt durch Pinienwald, ein anderer über Dünen direkt an der Küste, fast wie ein schottischer Links-Platz. Arana liess die Natur, wo es ging, unberührt. Der Par-72-Platz misst gut 6000 Meter. Und weil ein Parador, ein staatliches Hotel, direkt danebensteht, ist Spielen und Übernachten hier einfacher als auf den exklusiven Privatclubs.

PGA Catalunya, heute Camiral: der moderne Klassiker

Nicht jeder Klassiker ist alt. Bei Girona in Katalonien liegt der Stadium Course von PGA Catalunya, nach einem Namenswechsel heute Camiral genannt. Er wurde 1999 eröffnet und von Ángel Gallardo und Neil Coles entworfen.

Der Platz gilt seit Jahren als die Nummer eins in Spanien und zählt regelmässig zu den besten Plätzen Kontinentaleuropas. Das Open de España war dreimal zu Gast, zuerst im Jahr 2000, damals gewann Miguel Ángel Jiménez. Für alle, die von Norden anreisen, ist Katalonien ausserdem der am schnellsten erreichbare Teil Spaniens.

Die Wurzeln: Puerta de Hierro und Pedreña

Zum Schluss ein Blick auf die Anfänge. Der Real Club de la Puerta de Hierro in Madrid wurde 1895 gegründet. 1904 entstand hier der erste Golfplatz des spanischen Festlands, entworfen von den Engländern Harry Colt und Tom Simpson. Der Club ist bis heute einer der exklusivsten des Landes.

Der zweite Ort heisst Pedreña und liegt in Kantabrien im Norden. Der Real Golf de Pedreña wurde 1928 eröffnet. Berühmt wurde er durch einen einzigen Mann: Severiano Ballesteros wurde im Dorf geboren und lernte hier Golf. Ohne Pedreña gäbe es keinen Seve, und ohne Seve sähe der spanische Golf heute anders aus.

Was das für Schweizer Golfer heisst

Der praktische Teil. Die grossen Namen sind grosse Namen, und das schlägt sich im Preis nieder. Sotogrande, Valderrama, Las Brisas und Puerta de Hierro gehören zu den teuersten und teils exklusivsten Plätzen Spaniens. Manche verlangen ein Handicap oder nehmen Gäste nur eingeschränkt. Feste Greenfees nenne ich hier bewusst nicht, denn sie ändern sich je nach Saison. Verbindlich ist immer die Website des Clubs. El Saler und Camiral sind für Gäste am einfachsten zugänglich, beide mit Hotel in Laufweite.

Der beste Grund für die Reise bleibt der Kalender. Während die Schweizer Saison ruht, spielt man in Andalusien bei Sonne. Selbst der mildeste grössere Schweizer Platz, Gerre Losone im Tessin, macht im Winter zu. Wann welcher heimische Platz überhaupt offen ist, steht in Die Schweizer Golfsaison. Und wer im Sommer zurück ist und Championship-Feeling in den Bergen sucht, findet es in Crans-sur-Sierre, dem Schweizer Platz mit der grössten Turniergeschichte. Noch mehr Fernweh? Dann lies über die fünf verrücktesten Golfplätze der Welt.

Kurz zusammengefasst

  • Sotogrande (1964) war der erste europäische Platz von Robert Trent Jones senior und der Startpunkt des modernen Golf in Spanien.
  • Valderrama holte 1997 die Ryder Cup nach Kontinentaleuropa und gilt oft als bester Platz des Landes.
  • El Saler bei Valencia verbindet Pinienwald und Dünen fast wie ein schottischer Links-Platz und ist für Gäste gut zugänglich.
  • PGA Catalunya, heute Camiral, ist der moderne Klassiker und seit Jahren die Nummer eins in Spanien.
  • Für Schweizer lohnt die Reise vor allem im Winter, wenn die heimischen Plätze zu sind. Preise immer direkt beim Club prüfen.