In Awali in Bahrain putten Golferinnen und Golfer nicht auf Gras. Sie putten auf Sand, gebunden mit einer Mischung aus Diesel und Motorenöl. Die Fläche heisst dort nicht Green, sondern Brown. Nach jeder Gruppe zieht ein Mitarbeiter sie mit dem Besen wieder glatt.
Das klingt nach Notlösung. Es ist aber die ältere Art, in der Wüste Golf zu spielen. Gras kam erst viel später, und mit ihm die Frage, woher das Wasser kommt.
Awali, 1937: der Platz aus Sand und Öl
Der Awali Golf Club in Bahrain wurde 1937 gegründet und gilt als ältester Wüstenplatz am Golf. Gebaut haben ihn die Leute der Bahrain Petroleum Company. Informelle Turniere gab es dort schon Anfang der 1930er-Jahre.
Die Fairways bestehen aus lokalem Sand, verdichtet und von Steinen befreit. Ihre Ränder sind mit einer dünnen Zementlinie oder einem Sand-Öl-Gemisch markiert. Die Browns werden aus feinem Sand geformt und mit Diesel und Motorenöl gebunden. Trotzdem müssen sie jede Woche neu gelegt werden. Jedes Brown hat einen eigenen Sweeper, der nach jeder Gruppe glättet.
Awali blieb kein Einzelfall. Ölgesellschaften bauten ähnliche Sandplätze später in Saudi-Arabien und Katar. Wer dort spielte, kannte Golf ohne einen einzigen Halm Gras.
1988 kam das Gras nach Dubai
Der Majlis Course im Emirates Golf Club wurde 1988 eröffnet und war der erste 18-Loch-Grasplatz im Nahen Osten. Er ist ein Par 72 über rund 7'300 Yards, also etwa 6'680 Meter, und trägt das Dubai Desert Classic aus.
Die Idee kam von zwei in Dubai lebenden Geschäftsleuten, dem Amerikaner Larry Trenary und dem Briten George Atkinson. Sheikh Mohammed stellte dafür rund 175 Acres Dünen zur Verfügung, gut 70 Hektaren Sand, aus denen ein Golfplatz werden sollte.
Das Modell hat Schule gemacht. Nach Zahlen aus dem Jahr 2025 stehen in den Vereinigten Arabischen Emiraten 26 Golfplätze, davon 13 in Dubai und neun in Abu Dhabi.
Woher das Wasser kommt
Daran entscheidet sich Wüstengolf. Der Emirates Golf Club hat seine Bewässerung vollständig auf gereinigtes Abwasser umgestellt, im Fachjargon treated sewage effluent. Eine Pumpstation schafft bis zu 6'500 Gallonen pro Minute, gut 24'000 Liter. Der Club nennt eine Reduktion des Bewässerungsverbrauchs um 34 Prozent und war der erste Club der MENA-Region mit GEO-Zertifizierung.
Was ein solcher Platz pro Tag tatsächlich verbraucht, veröffentlichen die wenigsten Clubs. Die Zahl, die man im Netz findet, ist meist die Pumpenleistung und nicht der Verbrauch. Wer irgendwo eine konkrete Literzahl liest, sollte fragen, woher sie stammt.
In Kalifornien und Nevada wird gerechnet
In den USA gibt es dafür Regeln und Zahlen. Im Coachella Valley bei Palm Springs liegen über 120 Golfplätze auf einem Streifen von rund 20 Meilen. Nach Erhebungen des US Geological Survey verbrauchten die Golfplätze im Riverside County im Jahr 2010 rund 39'000 Acre-Feet Wasser, umgerechnet etwa 48 Millionen Kubikmeter. Seit 2002 begrenzt der lokale Wasserversorger die Rasenflächen, schreibt Wüstenbepflanzung ausserhalb der Spielbahnen vor und gibt neuen Plätzen ein Wasserbudget.
In Las Vegas ist es strenger. Seit November 2021 dürfen neue Golfplätze in Las Vegas und im nicht eingemeindeten Clark County kein Wasser aus dem Colorado River mehr beziehen. Neue Anlagen sind auf durchschnittlich fünf Acres Rasen pro Loch begrenzt, dazu höchstens zehn Acres für die Driving Range. Für bestehende Plätze sank das Jahresbudget ab 2024 von 6.3 auf 4 Acre-Feet. Seit 1999 haben 30 Plätze der Region zusammen über 900 Acres Rasen entfernt.
Daraus ist der Stil entstanden, den man Target Golf nennt: Grün ist nur, was gespielt wird. Abschlag, Fairway, Grün. Dazwischen liegt Wüste. Für Einsteiger ist das anspruchsvoll, weil kein Semi-Rough den leicht verzogenen Ball abbremst.
Furnace Creek: der tiefste Platz der Welt
Im Death Valley liegt der Furnace Creek Golf Course, 214 Fuss unter dem Meeresspiegel, also rund 65 Meter. Es ist der tiefstgelegene 18-Loch-Platz der Welt, ein Par 70. Angefangen hat er Ende der 1920er-Jahre, als der Verwalter einer Dattelpalmen-Plantage drei Löcher als Angebot für ein neues Hotel absteckte.
Die Lage wirkt sich direkt auf das Spiel aus. Unten in der Senke ist die Luft dichter, der Ball fliegt kürzer. Golf Digest führt Furnace Creek deshalb in seiner Liste der 50 schwersten Plätze der USA. Das Gegenstück dazu haben wir bereits beschrieben: der höchstgelegene Golfplatz der Welt, wo derselbe Effekt umgekehrt läuft.
Coober Pedy: 18 Löcher ohne einen Halm
In der Opalstadt Coober Pedy in Südaustralien steht ein 18-Loch-Platz mit Par 72 und ganz ohne Gras. Die Grüns heissen Scrapes und bestehen aus Steinstaub aus dem Steinbruch, gemischt mit Altöl. Vor jedem Putt wird geglättet.
Die Abschläge sind mit Kunstrasen belegt. Auf dem Fairway trägt jeder Spieler ein kleines Stück Kunstrasen mit sich und legt den Ball darauf. Weil der Untergrund steinig ist, gilt eine lokale Regel namens rock relief. Und wer beim Ballsuchen einen Opal findet, darf ihn behalten.
Golf Digest berichtete, dass Coober Pedy als einziger Club der Welt Gegenrecht beim Royal and Ancient Golf Club in St Andrews geniesst. Ein Sandplatz im Outback und die Heimat des Golfs, miteinander verbunden.
Was davon für die Schweiz gilt
Wir haben Regen. Das ist der ganze Unterschied. Kein Schweizer Club muss Grüns aus Steinstaub bauen, und niemand rechnet hier in Acre-Feet.
Trocken ist trotzdem relativ. Das Rhonetal im Wallis gilt bei MeteoSchweiz als niederschlagsärmste Region des Landes, mit vielen Sonnentagen und entsprechend hoher Verdunstung. Acht Golfplätze stehen in diesem Kanton, von Sierre im Talboden bis Crans-sur-Sierre oben am Hang. Die vollständige Übersicht findest du auf unserer Regionenseite Wallis.
Und wenn hier im Winter nichts mehr geht: Wohin sich der Flug in die Sonne von der Schweiz aus lohnt, steht in Golfreisen im Winter. Wie die Plätze bei uns bewertet sind, siehst du laufend aktuell in den Bestenlisten.
Kurz zusammengefasst
- Der Awali Golf Club in Bahrain besteht seit 1937 und spielt auf Browns: Sandgrüns, gebunden mit Diesel und Motorenöl, jede Woche neu gelegt.
- Der Majlis Course in Dubai war 1988 der erste 18-Loch-Grasplatz im Nahen Osten. 2025 zählen die Emirate 26 Plätze, 13 davon in Dubai.
- Bewässert wird dort mit gereinigtem Abwasser. Der Emirates Golf Club nennt 34 Prozent weniger Verbrauch nach der Umstellung.
- In Las Vegas dürfen neue Plätze seit November 2021 kein Colorado-River-Wasser nutzen und sind auf fünf Acres Rasen pro Loch begrenzt.
- Furnace Creek im Death Valley liegt 214 Fuss unter dem Meer, Coober Pedy in Australien kommt komplett ohne Gras aus.