Ein perfekt gerader Golfschlag ist selten. Fast jeder Ball dreht in der Luft ein wenig zur Seite. Die Frage ist nur, ob diese Kurve gewollt ist. Genau da liegt der Unterschied zwischen Draw und Fade auf der einen Seite und Slice und Hook auf der anderen. Die einen sind kontrolliert, die anderen passieren einfach. Ich erkläre hier, was Draw und Fade sind, warum der Ball überhaupt kurvt und wie du beide Schläge ansteuerst.

Was Draw und Fade bedeuten

Ein Draw ist eine sanfte Kurve, die beim Rechtshänder von rechts nach links dreht. Der Ball startet leicht rechts vom Ziel und zieht dann zurück. Ein Fade macht das Gegenteil: Er startet leicht links und dreht nach rechts zum Ziel. Für Linkshänder ist es spiegelverkehrt.

Entscheidend ist das Wort kontrolliert. Der Bogen ist klein und berechenbar, oft nur wenige Meter. Wird die Kurve zu gross und dreht der Ball unkontrolliert weg, redet man nicht mehr von Draw und Fade, sondern von Slice und Hook. Der Übergang ist fliessend — es ist derselbe physikalische Effekt, nur in stärkerer Dosis.

Warum der Ball überhaupt kurvt

Lange dachte man, die Schwungbahn bestimme die Startrichtung. Heute weiss man es dank Messgeräten besser. Der Ball startet zu rund 85 Prozent in die Richtung, in die die Schlagfläche im Treffmoment zeigt. Die Schwungbahn steuert nur etwa 15 Prozent der Startrichtung bei.

Die Kurve entsteht aus der Differenz zwischen Schlagfläche und Schwungbahn. Zeigt die Schlagfläche im Treffmoment weiter nach rechts als die Bahn verläuft, dreht der Ball nach rechts — das ist der Fade. Zeigt sie weiter nach links als die Bahn, dreht er nach links — das ist der Draw. Je grösser dieser Unterschied, desto stärker die Kurve. Das ist der ganze Trick.

So spielst du einen Draw

Für einen Draw richtest du deinen Körper — Füsse, Hüfte, Schultern — etwas nach rechts vom Ziel aus. Die Schlagfläche zeigt dagegen aufs Ziel, also leicht geschlossen zu deiner Körperlinie. Der Schwung folgt der Körperlinie von innen nach aussen. Der Ball startet rechts und zieht zurück.

Ein etwas festerer Griff, bei dem die Hände leicht nach rechts gedreht sind, unterstützt das Schliessen der Schlagfläche. Verändere aber nur eine Sache auf einmal. Am besten übst du das auf der Driving Range — zum Beispiel in Meggen am Vierwaldstättersee — bevor du es auf die Runde nimmst.

So spielst du einen Fade

Beim Fade drehst du alles um. Der Körper zielt leicht nach links, die Schlagfläche bleibt aufs Ziel gerichtet, also leicht offen zur Körperlinie. Der Schwung läuft entlang der Körperlinie von aussen nach innen. Der Ball startet links und dreht sanft zurück nach rechts.

Der Griff bleibt eher neutral. Wichtig ist, dass du die Schlagfläche nicht aktiv schliesst — sie soll im Treffmoment offen zur Bahn bleiben. Auch das gehört auf die Range, nicht spontan aufs Fairway. Anlagen mit grosszügiger Übungsanlage wie Bad Ragaz eignen sich gut, um das Gefühl zu entwickeln.

Welche Kurve sich für wen lohnt

Viele erfahrene Spieler bevorzugen einen Fade. Er landet in der Regel weicher, rollt weniger aus und ist dadurch etwas berechenbarer. Ein Draw fliegt oft flacher und rollt weiter, bringt also tendenziell mehr Länge — dafür ist er schwerer zu stoppen.

Für Einsteiger gilt aber etwas anderes: zuerst ein wiederholbarer, halbwegs gerader Schlag, dann die Kurven. Wer zu früh an der Ballflugkurve bastelt, verliert das Timing. Ein paar ehrliche Grundlagen findest du in unseren Golf-Hacks für Anfänger.

Auf dem Platz zahlt sich Formkontrolle vor allem an Doglegs aus. Ein Loch, das nach links abknickt, belohnt einen Draw; knickt es nach rechts, ist der Fade im Vorteil. Welche Schweizer Plätze besonders gut bewertet sind, siehst du in den Bestenlisten, die sich laufend aus echten Bewertungen speisen.

Kurz zusammengefasst

  • Ein Draw dreht beim Rechtshänder von rechts nach links, ein Fade von links nach rechts — beim Linkshänder umgekehrt.
  • Der Ball startet zu etwa 85 Prozent dorthin, wohin die Schlagfläche zeigt; die Kurve entsteht aus der Differenz zwischen Schlagfläche und Schwungbahn.
  • Draw: Körper nach rechts, Schlagfläche aufs Ziel, Schwung von innen nach aussen. Fade: spiegelverkehrt.
  • Ein Fade landet meist weicher und berechenbarer, ein Draw bringt mehr Länge.
  • Einsteiger üben zuerst den geraden Schlag — die Kurven kommen danach, am besten auf der Range.