Golf hat den Ruf, ein Sport mit hundert ungeschriebenen Gesetzen zu sein. Das schreckt viele ab, und das ist schade, weil es übertrieben ist. Fast alles lässt sich auf drei Dinge zurückführen: Sicherheit, Tempo und Rücksicht auf den Platz. Wer die drei verstanden hat, macht praktisch nichts falsch.

Sicherheit: der einzige Punkt ohne Toleranz

Ein Golfball wiegt 46 Gramm und verlässt den Schläger mit über 200 km/h. Er kann jemanden ernsthaft verletzen. Deshalb ist Sicherheit der einzige Bereich, in dem niemand grosszügig ist, auch nicht bei Anfängern.

  • Schlag nie, solange jemand in Reichweite vor dir ist. Auch nicht, wenn du denkst, so weit schlägst du nie. Genau dann triffst du ihn perfekt.
  • Fliegt dein Ball Richtung Menschen: laut „Fore“ rufen. Das ist keine Peinlichkeit, sondern Pflicht. Lieber einmal zu viel.
  • Stell dich nie in die Schlagrichtung eines anderen, auch nicht schräg dahinter. Ein verzogener Ball geht genau dorthin.
  • Hörst du „Fore“: nicht suchen, wo er herkommt. Kopf runter, Arme drüber, wegdrehen.

Tempo: das grösste Ärgernis überhaupt

Frag zehn Golfer, was sie am meisten nervt. Neun sagen: langsames Spiel. Nicht schlechtes Spiel. Langsames.

Der wichtigste Satz für Einsteiger lautet deshalb: Du darfst schlecht spielen, aber spiel zügig schlecht. Niemand schaut dir auf den Score. Alle schauen, ob die Lücke vor dir grösser wird.

  • Überleg dir deinen Schlag, während die anderen dran sind, nicht erst danach.
  • Nimm zwei, drei Schläger mit, wenn dein Ball weit vom Bag entfernt liegt. Der Weg zurück kostet jedes Mal eine Minute.
  • Suchst du länger als drei Minuten, ist der Ball verloren. Und lass die Gruppe hinter dir durch, bevor du überhaupt so lange suchst.
  • Läuft ein Loch komplett aus dem Ruder: Ball aufheben, weitergehen. Als Anfänger musst du kein Loch zu Ende quaelen.

Wenn du die ersten Runden entspannt angehen willst, geh unter der Woche und spät. Auf einem ruhigen 9-Loch-Platz wie Bubikon oder einer Pay-and-Play-Anlage drängelt niemand.

Den Platz so hinterlassen, wie du ihn finden willst

Ein Golfplatz ist ein empfindlicher Rasen, auf dem jeden Tag hunderte Leute herumschlagen. Dass er trotzdem gut aussieht, liegt an drei kleinen Handgriffen, die zusammen zwanzig Sekunden dauern.

  • Divots, also herausgeschlagene Rasenstücke, zurücklegen und festtreten.
  • Im Bunker deine Spuren harken, bevor du gehst. Und den Bunker an der flachsten Stelle betreten und verlassen.
  • Einschlagmarken auf dem Grün reparieren. Deine eigene und gern eine zweite dazu. Eine unreparierte Marke braucht Wochen, eine reparierte drei Tage.

Auf dem Grün

Das Grün ist der heikelste Ort. Hier entscheidet sich das Loch, und hier ist jeder besonders empfindlich.

  • Lauf nie durch die Puttlinie eines anderen, also nicht zwischen seinem Ball und dem Loch. Deine Schuhe hinterlassen Spuren, die den Ball ablenken.
  • Steh still, wenn jemand puttet, und wirf keinen Schatten auf seine Linie.
  • Gespielt wird, wer am weitesten vom Loch entfernt ist. In lockeren Runden gilt oft „ready golf“: Wer bereit ist, spielt. Das ist schneller und ausdrücklich erlaubt.
  • Ist das Loch gespielt, verlass das Grün sofort. Die Scores schreibt man am nächsten Abschlag auf, nicht dort.

Die Regeln, die wirklich vorkommen

Das offizielle Regelwerk hat hunderte Seiten. Für deine ersten Runden brauchst du eine Handvoll davon:

  • Spiel den Ball, wie er liegt. Nicht verbessern, nicht wegkicken.
  • Ball verloren oder ausserhalb des Platzes: Strafschlag, und du spielst nochmal von dort, wo du zuletzt gespielt hast.
  • Ball im Wasser: ein Strafschlag, dann darfst du ihn hinter dem Wasser fallen lassen.
  • Im Bunker den Sand vor dem Schlag nicht berühren.
  • Maximal 14 Schläger im Bag. Als Anfänger sowieso kein Thema.

Alles andere klärst du im Zweifel mit deinen Mitspielern. In einer Freizeitrunde ist niemand Schiedsrichter. Frag lieber einmal, als still etwas Falsches zu tun.

Kleidung: entspannter als sein Ruf

Die Zeiten strenger Kleiderordnungen sind grösstenteils vorbei. Polo mit Kragen, lange Hose oder Bermuda, Golfschuhe: Damit kommst du überall durch. Jeans, Trainerhosen und ärmellose Shirts für Herren sind auf traditionelleren Anlagen unerwünscht.

Auf Pay-and-Play-Anlagen ist es lockerer, in Privatclubs strenger. Im Zweifel schaust du kurz auf die Website des Clubs, wir verlinken sie bei jedem Platz.

Kurz zusammengefasst

  • Sicherheit zuerst: nie schlagen, wenn jemand in Reichweite ist. „Fore“ rufen ist Pflicht.
  • Tempo halten ist wichtiger als gut spielen. Schlecht und zügig ist völlig in Ordnung.
  • Divot zurücklegen, Bunker harken, Einschlagmarke reparieren. Zwanzig Sekunden pro Loch.
  • Auf dem Grün: nicht durch die Linie laufen, still stehen, zügig weiter.

Das meiste davon lernst du im Kurs zur Platzreife. Und einen passenden Platz für die ersten entspannten Runden findest du nach Region sortiert.